Schulische Medienkompetenzförderung in einer digitalen Welt: Über welche digitalen Kompetenzen verfügen angehende Lehrkräfte?

Kurzbeschreibung

Die Studie untersucht die ICT-Literacy (Kompetenz im Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien) als Teilkonstrukt von Medienkompetenz bei angehenden und fortgeschrittenen Lehramtsstudierenden auf Basis von Daten des Nationalen Bildungspanels. Verglichen werden die ICT-Literacy zwischen Lehramtsstudierenden von MINT- und Nicht-MINT-Fächern (MINT-Fächer: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Außerdem wird untersucht, wie die ICT-Literacy von Lehramtsstudierenden im Vergleich zu Studierenden anderer Fächer aussieht.

Annahmen über die Folgen der Digitalisierung

Die Digitalisierung stellt Schulen zunehmend vor die Herausforderung, den Schüler*innen digitale Kompetenzen zu vermitteln, damit diese selbstbestimmt an der Gesellschaft teilhaben können. Lehrkräfte benötigen hierfür sowohl digitale als auch medienpädagogische Kompetenzen. Jedoch wird häufig angenommen, dass Lehramtsstudierende im Gegensatz zu Studierenden anderer Fachrichtungen über geringere digitale Kompetenzen verfügen.

Kompetenzanforderungen

keine Angabe

Kompetenzdimensionen

Instrumentell-qualifikatorische Dimension: Sachgerechtes und selbstbestimmtes Handeln.

Kognitive Dimension: Verstehen, Erkennen und Bewerten von Medieneinflüssen und Mediengestaltungen.

Kreative Dimension: Gestaltung eigener Medienbeiträge.

Kritisch-reflexive Dimension: Durchschauen und Bewerten von Bedingungen der Medienproduktion und -verbreitung.

Soziale Dimension: Möglichkeit gesellschaftlicher Teilhabe in einer digitalisierten Welt.

Zentrale theoretische Annahmen über Kompetenz

Kompetenzen sind erlernbare Leistungsdispositionen und sollten im Rahmen des Lehramtstudiums erworben werden. Lehrkräfte müssen über medienpädagogische Kompetenz verfügen. Voraussetzung für den Erwerb medienpädagogischer Kompetenz ist die eigene Medienkompetenz. Die Studie untersucht ein Teilkonstrukt von Medienkompetenz, die ICT-Literacy.

Perspektive der Kompetenzträger*innen auf Kompetenz einbezogen?

keine Angabe

Lebenskontexte der Kompetenzträger*innen einbezogen?

In der Studie fanden als Kontrollvariablen sowohl das Geschlecht, der elterliche Bildungsabschluss als auch die kognitiven Fähigkeiten Berücksichtigung. Zudem beziehen die Autor*innen in theoretischen Überlegungen den medialen Habitus ein, der z.B. durch die elterliche Medienerziehung geprägt ist.

Herausforderungen der Erfassung von Kompetenz

Die Autor*innen beschreiben, dass zahlreiche Studien digitale Kompetenzen anhand von Selbsteinschätzungen messen, welche jedoch keine validen Aussagen über die Kompetenzen der Befragten erlauben. Zudem beschreiben sie kritisch, dass sich Kompetenzzuwächse nur bedingt durch einen Vergleich zweier Querschnittsstichproben feststellen lassen. Sie empfehlen eine Längsschnittstudie. Auch können mit Hilfe der vorliegenden Studie keine Erkenntnisse zu medienpädagogischer Kompetenz gegeben werden, da lediglich ICT-Literacy betrachtet wurde.

Zentrale empirische Befunde über Kompetenz

Vor allem Lehramtsstudierende ohne mathematisch-naturwissenschaftliches Unterrichtsfach weisen im Vergleich geringere digitale Kompetenzen auf. Ein nicht geringfügiger Anteil von angehenden sowie fortgeschrittenen Lehramtsstudierenden erreicht einen normativen Mindeststandard an digitalen Kompetenzen nicht. Zudem lässt sich keine Verringerung der Kompetenzdefizite über die Zeit feststellen.

Quellenangabe

Senkbeil, M., Ihme, J. M. & Schöber, C. (2021). Schulische Medienkompetenzförderung in einer digitalen Welt: Über welche digitalen Kompetenzen verfügen angehende Lehrkräfte? Psychologie in Erziehung und Unterricht. Zeitschrift für Forschung und Praxis, 68(1), 4-22.

Zuletzt geändert am 15. März 2021.