Frankfurt-Dreieck zur Bildung in der digital vernetzten Welt – ein interdisziplinäres Modell

Kurzbeschreibung

Der vorliegende Text stellt eine Weiterentwicklung des Frankfurt-Dreiecks - einem Modell, das Perspektiven und Dimensionen einer Bildung für und über digitalen Wandel beschreibt - dar. Dieses Modell baut auf der Dagstuhl-Erklärung von 2016 auf und wurde in Zusammenarbeit von Informatiker*innen, Medienpädagog*innen und Medienwissenschaftler*innen entwickelt. Das Frankfurt-Dreieck umfasst drei zentrale Perspektiven (eine technologisch-mediale, eine gesellschaftlich kulturelle sowie eine Interaktionsperspektive). Diese Aspekte sollte Bildung für und über den digitalen Wandel aufgreifen. Das Modell richtet sich vor allem an Forscher*innen sowie weitere Personen, die sich theoretisch und reflexiv mit Bildung im Kontext des digitalen Wandels beschäftigen.

Annahmen über die Folgen der Digitalisierung

Die Digitalisierung prägt Kultur, Infrastruktur sowie Technologieentwicklung, weswegen die Autor*innen den Begriff des digitalen Wandels präferieren. Dadurch ist der Umgang mit sowie die Analyse und Reflexion von digitalen Artefakten zur Voraussetzung geworden, um an der Gesellschaft (z.B. politischen, kulturellen und ökonomischen Prozessen) teilhaben zu können.

Kompetenzanforderungen

Menschen benötigen Kompetenzen zur Nutzung von Technologien. Darüber hinaus müssen sie Strukturen, Funktionen und Funktionsweisen von digitalen (Medien-)Systemen aus informatischer und medialer Sicht analysieren, reflektieren und (mit-)gestalten und diese Sichten aufeinander beziehen können (S. 162). Auch Hintergrundwissen und bestimmte Kompetenzen, wie z.B. das Beurteilen von Information oder die Entwicklung eigener Standpunkte (S. 163) sind notwendig.

Kompetenzdimensionen

Instrumentell-qualifikatorische Dimension: funktionale Anwendung von digitalen Medien und Systemen z.B. für rezeptive, gestalterische, kommunikative, problemlösende und organisatorische Zwecke; Geräte auswählen können.

Kognitive Dimension: Bewerten von Informationen.

Kreative Dimension: (Mit-)Gestaltung von Artefakten und Phänomenen.

Kritisch-reflexive Dimension: Hinterfragen und Reflektieren von Funktionsweisen und Strukturen der Artefakte und Phänomene der durch Digitalisierung geprägten Welt (Auseinandersetzung mit konzeptionellen Fragen, insbesondere: informatische und mediale Funktionsprinzipien digitaler Systeme, zur Erstellung verwendete informatische und mediale Strukturierungs- und Gestaltungsmittel und -formen, technische Analyse- und Verarbeitungsmöglichkeiten, kulturelle, politische oder persönliche Einschreibungen) (s. S. 160 f.) Betrachtung von Veränderungen, denen Individuen und Gesellschaft unterworfen werden; Chancen und Probleme, die sich durch den digitalen Wandel ergeben, analysieren und bewerten; analysieren, welche Normen und Regeln in mediengestützten sozialen Prozessen wirksam sind, wie und von wem sie ausgestaltet werden und welche Machtstrukturen hier eingeschrieben sind; Privatsphäre/Datenschutz; Machtstrukturen hinterfragen; Bewerten von Informationen; Reflexion der sozialen Praktiken mit digitalen Artefakten; Kenntnis ökonomischer, gesellschaftlicher und politischer Interessen.

Zentrale theoretische Annahmen über Kompetenz

keine Angabe

Perspektive der Kompetenzträger*innen auf Kompetenz einbezogen?

keine Angabe

Lebenskontexte der Kompetenzträger*innen einbezogen?

Die Autor*innen konstatieren, dass verwendete Technologien erforderliche Kompetenzen zu ihrer Nutzung festlegen. Zudem merken sie an, dass durch digitale Technologien (neue) soziale Ungleichheiten entstehen bzw. sich verfestigen können.

Herausforderungen der Erfassung von Kompetenz

keine Angabe

Quellenangabe

Brinda, T., Brüggen, N., Diethelm, I., Knaus, T., Kommer, S., Kopf, C., Missomelius, P., Leschke, R., Tilemann, F., & Weich, A. (2020). Frankfurt-Dreieck zur Bildung in der digital vernetzten Welt. Ein interdisziplinäres Modell. In T. Knaus, & O. Merz (Hrsg.), Schnittstellen und Interfaces. Digitaler Wandel in Bildungseinrichtungen (S. 157-167). kopaed.

Zuletzt geändert am 16. Juli 2024.