How Online Privacy Literacy Supports Self-Data Protection and Self-Determination in the Age of Information
Kurzbeschreibung
Der Beitrag setzt sich mit der aktuellen Debatte um Online-Privatsphäre auseinander und betrachtet dabei kritisch, dass Diskurse dazu sich im Schwerpunkt auf den individuellen Schutz vor dem Zugriff auf Daten beziehen. Daraus resultierende Lösungsansätze stellen die Förderung von Wissen, sich selbst zu schützen, sowie Vorschriften zum Schutz der Privatsphäre auf politischer Ebene in den Mittelpunkt. Dies sieht der Autor jedoch nicht als ausreichend an, da dies lediglich Abhilfe gegen die sichtbarsten Folgen eines Status quo bietet, der den Wert der Privatsphäre langsam untergräbt. Vielmehr wird argumentiert, dass Online Privacy Literacy Menschen nicht nur dazu befähigen sollte, die eigenen Daten zu schützen, sondern auch dazu, zu Akteur*innen des sozialen Wandels werden. So können sie gesellschaftliche Rahmenbedingungen so beeinflussen, dass das Ziel informationeller Selbstbestimmung näher rückt. Vor diesem Hintergrund schlägt der Autor ein erweitertes Modell von Online Privacy Literacy vor, welches Wissen über Datenschutz, datenschutzbezogene Reflexionsfähigkeiten, Fähigkeiten zum Datenschutz sowie kritische Datenschutzkompetenz miteinander verbindet. Dabei wird angenommen, dass insbesondere eine höhere kritische Datenschutzkompetenz zu einer größeren Bereitschaft führt, sich in demokratische Prozessen einzubringen. Entsprechend sollte Online Privacy Literacy auch in Bildungskontexten ganzheitlich vermittelt werden.
Annahmen über die Folgen der Digitalisierung
keine Angabe
Kompetenzanforderungen
Dem vorliegenden Beitrag zufolge benötigen Kompetenzträger*innen, um die eigenen Daten zu schützen, zahlreiche Fähigkeiten und Wissensbestände, welche unter der Überschrift „Kompetenzdimensionen“ detailliert beschrieben sind.
Kompetenzbegriffe (nach dem Papier)
Unterdimensionen (nach dem Papier)
factual privacy knowledge,
privacy-related reflection abilities,
privacy and data protection skills,
critical privacy literacy
Kompetenzdimensionen (nach dem Rahmenkonzept von Digitales Deutschland)
Instrumentell-qualifikatorische Dimension: Technisches Wissen zu Datenschutz und -sicherheit.
Kognitive Dimension: Wissen über Informationsflüsse im Internet; Kenntnisse über wirtschaftliche Interessen von Online-Anbietern; Kenntnisse über Überwachungspraktiken von Institutionen oder Regierungen; Wissen über Praktiken der Datenerhebung, -analyse und -weitergabe durch Online-Dienstleister; Kenntnisse über einschlägige nationale und internationale Gesetze; Wissen über soziale Dynamiken in Netzwerken und damit einhergehende Risiken in Bezug auf die Privatsphäre; Datenschutzrisiken und das tatsächliche Datenschutzniveau bei der Nutzung verschiedener Online-Umgebungen erkennen können; Bewusstsein, dass Datensparsamkeit ein Weg zu mehr Privatsphäre online sein kann; Wissen darüber, wie präventive Datenschutzstrategien umgesetzt werden können; Wissen darüber, wie plattform- oder medienspezifische Datenschutzstrategien umgesetzt werden können.
Kreative Dimension: Soziale Verantwortung und Motivation entwickeln, den sozialen Wandel zu gestalten.
Kritisch-reflexive Dimension: Die eigenen Datenschutzbedürfnisse in verschiedenen Online-Umgebungen erkennen und reflektieren können; Produkte und Plattformen auszuwählen können, die den eigenen Datenschutzbedürfnissen entsprechen; datenschutzrelevante Merkmale verschiedener Medienumgebungen bewerten können; gesellschaftliche Strukturen, Prozesse, Normen und Praktiken, die die Privatsphäre des Einzelnen auf gesellschaftlicher Ebene beeinflussen, erkennen, hinterfragen und kritisieren können; das eigene Verhalten reflektieren und bewerten können, inwiefern es Risiken erhöht; Risiken erkennen und das Niveau der eigenen Privatsphäre in unterschiedlichen Kontexten bewerten.
Zentrale theoretische Annahmen über Kompetenz
Online Privacy Literacy wird als ein Mittel verstanden, Menschen dazu zu befähigen, sich selbst zu schützen, und gleichermaßen als eine grundlegende Triebkraft gesellschaftlichen Wandels, da sie Menschen zu gesellschaftlichem Engagement für das Ziel informationeller Selbstbestimmung – also dem Recht und der Fähigkeit, zu entscheiden, wann und in welchen Grenzen Informationen über einen gesammelt, analysiert und an andere weitergegeben werden dürfen – motiviert. Online Privacy Literacy wird dabei in drei grundlegende Dimensionen unterteilt, die vierte Dimension der Critical Privacy Literacy ist diesen übergeordnet. Alle vier Dimensionen sind miteinander verbunden und bauen aufeinander auf.
Perspektive der Kompetenzträger*innen auf Kompetenz einbezogen?
keine Angabe
Lebenskontexte der Kompetenzträger*innen einbezogen?
Lebenskontexte der Kompetenzträger*innen sind in mehrfacher Hinsicht Thema im vorliegenden Artikel. Der Autor reflektiert, dass verschiedenen Dimensionen von Online Privacy Literacy je nach Staatsform ein unterschiedliches Gewicht zukommt. So kann es gerade unter autoritären Regimen, in denen die Opposition unterdrückt wird, essenziell sein, sichere Wege zur Kommunikation im Internet zu kennen. Um geeignete Rahmenbedingungen für informationelle Selbstbestimmung zu schaffen, bedarf es nicht nur der Partizipation der Bürger*innen. Auch die politische und wirtschaftliche Förderung nicht-kommerzieller Online-Anbieter, eine größere Unterstützung von Plattformen und Produkten, die standardmäßig datenschutzfreundlich gestaltet sind, und ein höheres Engagement für das Recht auf Vergessen können dazu einen wesentlichen Beitrag leisten.
Herausforderungen der Erfassung von Kompetenz
Der Autor empfiehlt bei der Erfassung von Online Privacy Literacy stets sowohl normative Prämissen als auch den Fokus (ob sich dieser gegebenenfalls zu stark auf eine negative Perspektive von Privatsphäre richtet) zu reflektieren.
Quellenangabe
Masur, P. K. (2020). How online privacy literacy supports self-data protection and self-determination in the age of information. Media and Communication 8(2), 258-269. https://d-nb.info/1224896297