Digital Gender Gap – Schwerpunkt 2026: Künstliche Intelligenz

Kurzbeschreibung

Zentraler Gegenstand der Studie sind unterschiedliche Nutzungen von Anwendungen Künstlicher Intelligenz (KI) bei Frauen und Männern sowie damit verbundene Einstellungen und Kompetenzen. Ein zentrales Ergebnis ist, dass es einen Gender AI Gap von 16 Prozent (bereinigt acht Prozent) zwischen Männern und Frauen bei der Nutzung von KI gibt. Es wird argumentiert, dass durch diesen Gap Frauen beruflich benachteiligt werden. Aus diesem Grund werden Maßnahmen zur Schließung des Gaps gefordert und erste Ansätze für ihre Umsetzung skizziert.

Annahmen über die Folgen der Digitalisierung

Künstliche Intelligenz wird als Schlüsselressource bezeichnet, von der Wettbewerbsfähigkeit, Beschäftigungschancen und gesellschaftliche Teilhabe beeinflusst werden. Wenn diese digitale Schlüsselressource jedoch von einigen Bevölkerungsgruppen mehr und von anderen weniger genutzt wird, kann dies strukturelle Ungleichheiten verstärken und die Position derjenigen verschlechtern, die sie weniger nutzen. Es ist deswegen wichtig, die gesellschaftlichen Effekte von Digitalisierung kritisch zu begleiten und ihre Potentiale für gesellschaftliche Chancengleichheit aktiv zu fördern.

Kompetenzanforderungen

Der Digital Gender Gap wird vor allem in Bezug auf die berufliche Nutzung erhoben. Es wird zwischen verschiedenen Arbeitsbereichen unterschieden (z. B. technischer Bereich, kreative Tätigkeiten), eine Konkretisierung in Bezug auf einzelne Tätigkeiten erfolgt jedoch nicht. Neben der Nutzung von Künstlicher Intelligenz wird ein Schwerpunkt auf Einstellungen (vor allem „positive Erwartungen“) zu KI gelegt. Letztere beeinflussen die Wahrscheinlichkeit einer sinnvollen und nachhaltigen Nutzung und müssen deswegen auch in Fördermaßnahmen adressiert werden.

Kompetenzbegriffe (nach dem Papier)

Digitale Kompetenzen

Unterdimensionen (nach dem Papier)

keine Angabe

Kompetenzdimensionen (nach dem Rahmenkonzept von Digitales Deutschland)

Instrumentell-qualifikatorische Dimension: Fotos und Videos mit dem Smartphone versenden; Textprogramme nutzen; Smartphonefunktionen anpassen; starke Passwörter verwenden; digitale Anwendungen gezielt für Hobbys nutzen.

Kognitive Dimension: online Informationen finden; im Internet Unterstützung bei technischen Problemen finden.

Kritisch-reflexive Dimension: Erkennen, ob etwas mit KI erstellt wurde; sich den Alltag mit digitalen Anwendungen erleichtern.

Zentrale theoretische Annahmen über Kompetenz

keine Angabe

Perspektive der Kompetenzträger*innen auf Kompetenz einbezogen?

keine Angabe

Lebenskontexte der Kompetenzträger*innen einbezogen?

Der Fokus der Studie bedingt, dass vor allem die beruflichen Tätigkeiten und das Gender der Subjekte in der Auswertung berücksichtigt wurden. In Bezug auf die beruflichen Tätigkeiten wurde nach der Komplexität der Aufgaben und der Verantwortung der beruflichen Funktion differenziert. Hinzu kommen weitere Faktoren wie Bildung und Einkommen sowie individuelle Einstellungen und Kompetenzen, welche ebenfalls zur Erklärung des Gender AI Gap beitragen. Umgekehrt gehen die Autor*innen auch davon aus, dass eine seltenere Nutzung Künstlicher Intelligenz dazu führt, dass Menschen weniger anwendungsbezogene Kompetenzen entwickeln. Insgesamt halten sie fest, dass Ungleichheiten sich nur verringern lassen, wenn sowohl unterschiedliche Ausgangsbedingungen als auch Nutzungskontexte der Kompetenzträger*innen Berücksichtigung finden.

Herausforderungen der Erfassung von Kompetenz

keine Angabe

Zentrale empirische Befunde über Kompetenz

Der Gender AI Gap wird aus der unterschiedlichen Intensität der Nutzung von Künstlicher Intelligenz abgeleitet. Für den allgemeinen Score verglichen werden Personen, die KI intensiv bis selten nutzen, mit Personen, die KI gar nicht nutzen. Hier zeigt sich allgemein zwischen Männern und Frauen ein Unterschied von 16 Prozentpunkten: Während 37 Prozent der Frauen KI intensiv bis selten nutzen, sind es bei den Männern 53 Prozent. Dieser Unterschied wird kleiner, wenn soziodemografische, betriebsspezifische sowie kompetenz- und einstellungsbezogene Merkmale rausgerechnet werden, eine Lücke von acht Prozent bleibt jedoch bestehen. Auch zeigt sich der Gender AI Gap durch alle Bildungs- und Altersgruppen. Aufgrund der insgesamt höheren Nutzung ist er besonders in jüngeren und besser gebildeten Kohorten stärker ausgeprägt: In der Generation Z (1996-2009) beträgt der Unterschied (unbereinigt) bei intensiver Nutzung fast 20 Prozent. Während 50 Prozent der männlichen Personen KI intensiv nutzen, sind es „nur“ 31 Prozent der weiblichen. Ein ähnliches Bild findet sich bei Personen mit hoher Bildung, während hier 33 Prozent der männlichen Personen KI intensiv nutzen, sind es bei den weiblichen „nur“ 18 Prozent. Der Gender AI Gap bleibt auch in den Berufen ausgeprägt, in denen das Internet und damit die Nutzung digitaler Tools zum Anforderungsprofil gehören. Hier nutzen 44 Prozent der Frauen KI, aber 58 Prozent der Männer. Verändern lässt sich der Unterschied in der Nutzung vor allem durch Weiterbildungen zu Künstlicher Intelligenz, die über den Arbeitgeber organisiert werden. Hier schmilzt der Gap bei Personen mit intensiver Nutzung auf ein Prozent zugunsten der Männer, bei Personen mit seltener Nutzung zeigt sich in den Daten jedoch eher eine Vergrößerung, auch wenn insgesamt mehr Personen nach einer Weiterbildung KI nutzen.

Quellenangabe

Jahn, S., Burkert, C., Diener, K., & Matthes, B. (2026). Digital Gender Gap – Schwerpunkt Künstliche Intelligenz. Initiative D21 e. V., Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). https://doi.org/10.48720/IAB.D21.2026

Sonstige Anmerkungen

Die Daten der Studie basieren auf einer Sonderauswertung des D21-Digital-Index 2024/25.

Zuletzt geändert am 30. Juni 2026.