Werkzeug, Assistenz oder Partner*in? Nutzungspraktiken von ChatGPT und anthropomorphisierende Rollenzuschreibungen
Kurzbeschreibung
Wie gehen Studierende mit ChatGPT um? Und inwiefern schreiben sie diesem Tool anthropomorphisierende Rollen zu, wie zum Beispiel menschliche Eigenschaften, Fähigkeiten oder Zustände? Um diesen Fragen nachzugehen, wurden 16 Studierende interviewt, je acht Studierende aus der Informatik und der Kommunikationswissenschaft. In diesem Rahmen kam auch die Walkthrough-Methode zum Einsatz. Dazu erhielten die Studierenden Aufgaben, die sie mit ChatGPT erledigen sollten. Ziel der Studie ist es erstens, das Phänomen der Anthropomorphisierung in Bezug auf generative Künstliche Intelligenz besser zu erfassen. Im Ergebnis lassen sich drei Rollen unterscheiden, nämlich Künstliche Intelligenz als Werkzeug, als Assistenz und als Partner*in. Zweitens soll die Studie dazu beitragen, durch das Bewusstwerden von Widersprüchen zwischen Anthropomorphisierung und Nicht-Anthropomorphisierung KI-Kompetenz zu fördern.
Annahmen über die Folgen der Digitalisierung
Generative Künstliche Intelligenz wird zunehmend (auch an Hochschulen) genutzt und erlangt damit immer größere gesellschaftliche Relevanz. Insbesondere durch die Verbindung von Large Language Models und Chatbots nahm die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit solchen Systemen Fahrt auf. Durch die stark kommunikativen Aspekte generativer Künstlicher Intelligenz lässt sich vermuten, dass dieses Design auch Auswirkungen darauf hat, inwiefern Kompetenzträger*innen Tools wie ChatGPT menschliche Fähigkeiten und Eigenschaften zuschreiben. Dies wurde bisher in der Forschung allerdings noch wenig untersucht.
Kompetenzanforderungen
Die Autorinnen fokussieren sich vor allem auf Nutzungspraktiken und Haltungen zu Künstlicher Intelligenz. Als eine zentrale Kompetenzanforderung erscheint vor diesem Hintergrund, das eigene Handeln sowie Einstellungen zu Künstlicher Intelligenz hinterfragen zu können.
Kompetenzbegriffe (nach dem Papier)
Unterdimensionen (nach dem Papier)
keine Angabe
Kompetenzdimensionen (nach dem Rahmenkonzept von Digitales Deutschland)
Instrumentell-qualifikatorische Dimension: Prompten können.
Kognitive Dimension: Künstliche Intelligenz für unterschiedliche Zwecke einsetzen.
Kritisch-reflexive Dimension: Nutzungspraktiken und Einstellungen zu Künstlicher Intelligenz hinterfragen; sich über Widersprüche zwischen Anthropomorphisierung und Nicht-Anthropomorphisierung bewusst sein; auf Englisch prompten, um eine zielführendere Ausgabe zu erhalten.
Zentrale theoretische Annahmen über Kompetenz
keine Angabe
Perspektive der Kompetenzträger*innen auf Kompetenz einbezogen?
keine Angabe
Lebenskontexte der Kompetenzträger*innen einbezogen?
Die Autorinnen fokussieren sich auf Studierende, da sie diese als „Early Adopter“ betrachten, welche bereits generative Künstliche Intelligenz verwenden. Dass die Befragten aus den beiden Fachrichtungen Informatik und Kommunikationswissenschaften ausgewählt wurden, hatte den Grund, dass in beiden Studiengängen generative Künstliche Intelligenz bereits Gegenstand im Studium ist – so etwa „ihre kommunikative Funktion und technische Mechanik“ (S. 192). Neben dem Studiengang war das Gender der Studierenden ebenfalls ein Auswahlkriterium. Die Stichprobe war jeweils so zusammengesetzt, dass sie die Genderverteilung innerhalb der Studiengänge widerspiegelte.
Herausforderungen der Erfassung von Kompetenz
keine Angabe
Zentrale empirische Befunde über Kompetenz
Insbesondere die Studierenden aus der Informatik weisen in der Studie KI-Kompetenz auf. Das zeigt sich laut der Autorinnen daran, dass sie häufig auf Englisch prompten, um ein zielgerichteteres Ergebnis zu bekommen. Sie wissen, dass die Datengrundlage von ChatGPT auf Englisch besser ist. ChatGPT wird eine geringe Kompetenz zugeschrieben. Die Studierenden wollen die Verantwortung für ihre Arbeiten übernehmen und verstehen ChatGPT dabei als Informationsquelle oder Werkzeug.
Quellenangabe
Glawatzki, A., & Jung, P. (2026). Werkzeug, Assistenz oder Partner*in? Nutzungspraktiken von ChatGPT und anthropomorphisierende Rollenzuschreibungen. M&K, 74(2), 187-202.
Sonstige Anmerkungen
Im Fokus der Studie stehen die Nutzungspraktiken der Studierenden sowie ihre Rollenzuschreibungen an ChatGPT. Für die Studierenden ist die Nutzung von ChatGPT insbesondere im universitären Kontext wichtig. Informatikstudierende nutzen das Tool vor allem für Programmieraufgaben wie die Code-Interpretation. Studierende der Kommunikationswissenschaft verwenden ChatGPT vor allem, um Texte zu formulieren und zu überarbeiten sowie zur Ideenfindung. Die Rollenzuschreibung hängt dagegen nicht von der Fachrichtung ab, sondern davon wie ChatGPT genutzt wird. Eine instrumentalistische Nutzung steht einer anthropomorphisierenden Tendenz entgegen. Während der tatsächlichen Nutzung wird ChatGPT jedoch stärker anthropomorphisiert (etwa indem sie als Assistenz begriffen wird) als in der Reflexion darüber. Dies verdeutlicht einen Widerspruch zwischen unbewusster Anthropomorphisierung und bewusster Nicht-Anthropomorphisierung. Die Autorinnen argumentieren, dass die Analyse dieser Widersprüche dabei helfen kann, die Nutzung Künstlicher Intelligenz und die Haltung dazu zu reflektieren und damit KI-Kompetenz zu fördern.