Eine Skala zur Selbsteinschätzung digitaler Kompetenzen bei Lehramtsstudierenden – Entwicklung eines Instrumentes und die Validierung durch Konstrukte zur Mediennutzung und Werteüberzeugungen zur Nutzung digitaler Medien im Unterricht

Kurzbeschreibung

In der Studie wird ein Erhebungsinstrument für die Erfassung selbsteingeschätzter digitaler Kompetenz von Lehramtsstudierenden entwickelt und an einer Stichprobe angewendet. Grundlage dafür ist das Kompetenzmodell der KMK (2016). Die Ergebnisse der Erprobung des Instruments verweisen auf sieben Kompetenzdimensionen: Suchen und Verarbeiten, Kommunizieren und Kooperieren, Produzieren und Präsentieren, Schützen und sicher Agieren, Problemlösen und Handeln, Analysieren und Reflektieren, Unterrichten und Implementieren.

Annahmen über die Folgen der Digitalisierung

Im Zuge des digitalen Wandels sind Lehrer*innen für die Vermittlung eines kompetenten Umgangs mit digitalen Medien bei Schüler*innen verantwortlich. Das bedeutet auch, dass Lehrkräfte über die gleichen Kompetenzen verfügen müssen, um diese an die Schüler*innen weitergeben zu können. Diese Kompetenzen sollten im Lehramtsstudium vermittelt werden.

Kompetenzanforderungen

Lehramtsstudent*innen sollen im Verlauf ihres Studiums den Umgang mit digitalen Medien lernen sowie digitale Kompetenzen - das heißt die Fähigkeiten, das Wissen und die Motivation die dafür notwendig sind, kompetent und mündig im digitalen Raum zu handeln (Eickelmann 2010) - entwickeln und den Schüler*innen vermitteln können. Sie müssen digitale Medien didaktisch in ihren Unterricht einbinden und sinnvoll nutzen können. An den Hochschulen sollen sie - über die Entwicklung eigener Medienkompetenz hinaus - lernen, die Verwendung von Medien für ihren Unterricht zu planen, durchzuführen und zu reflektieren. Dazu müssen sie digitale Medien pädagogisch sowie didaktisch hinterfragen.

Kompetenzdimensionen

Instrumentell-qualifikatorische Dimension: Anwendung von digitalen Werkzeugen; Informationen an verschiedenen Orten speichern und diese abrufen können; Informationen, Dateien und Links teilen können; digitale Medien nutzen können, um gemeinsam Dateien und Dokumente zu bearbeiten; digitale Medien nutzen können, um Dateien für eine Zusammenarbeit zusammenzuführen; mit Hilfe verschiedener digitaler Medien kommunizieren können; mehrere Apps und Programme kennen und bedarfsgerecht anwenden können; Inhalte in verschiedenen Formaten bearbeiten, zusammenführen, präsentieren und veröffentlichen oder teilen können; die eigene Privatsphäre in digitalen Umgebungen durch geeignete Maßnahmen schützen können; digitale Lernmöglichkeiten und dafür geeignete Tools nutzen können; Tools für Lernmöglichkeiten selbstständig nutzen können; digitale Umgebungen und Werkzeuge zum persönlichen Gebrauch anpassen können; eine Vielzahl digitaler Werkzeuge kennen und diese bedarfsgerecht einsetzen können.

Kognitive Dimension: auf Basis eigener Suchinteressen relevante Quellen in digitalen Umgebungen identifizieren und nutzen können; Informationen und Daten analysieren und interpretieren können; digitale Lernressourcen selbstständig organisieren können; Vielfalt der digitalen Medienlandschaft kennen; Inhalte suchen, analysieren und bewerten.

Soziale Dimension: Interaktion durch Technologien; Teilen von Informationen; Umgangsregeln im digitalen Raum beachten; digitale Medien für gezielte Kommunikationsmöglichkeiten situationsgerecht auswählen; mit Hilfe digitaler Medien aktiv an der Gesellschaft teilhaben können; Verhaltensregeln bei digitalen Interaktionen und Kooperationen kennen und anwenden können.

Kreative Dimension: Inhalte entwickeln und programmieren.

Kritisch-reflexive Dimension: Informationen und Daten kritisch bewerten können; die Bedeutung von Urheberrechten und geistigem Eigentum kennen und berücksichtigen; Gefahren und Risiken in digitalen Umgebungen kennen, berücksichtigen und reflektieren; digitale Technologien gesundheits- und umweltbewusst nutzen können; eigene Defizite bei der Nutzung digitaler Werkzeuge kennen und Strategien zu deren Beseitigung entwickeln können; digitale Lernmöglichkeiten und dafür geeignete Tools identifizieren und bewerten können; Tools für Lernmöglichkeiten bewerten können; die Wirkung von Medien in der digitalen Welt analysieren und konstruktiv damit umgehen können; Chancen und Risiken des Mediengebrauchs erkennen und reflektieren können; Potenziale der Nutzung digitaler Medien für die soziale Integration und Teilhabe, die Vermittlung von Unterrichtsinhalten und die Unterrichtsgestaltung erkennen; Bewusstsein über Risiken, den Schutz von persönlichen Daten; Reflexion von Medien.

Zentrale theoretische Annahmen über Kompetenz

Medienkompetenz wird mit digitaler Kompetenz gleichgesetzt. Digitale Kompetenzen und die Wahrnehmung von digitalen Kompetenzen sind eng verknüpft.

Perspektive der Kompetenzträger*innen auf Kompetenz einbezogen?

keine Angabe

Lebenskontexte der Kompetenzträger*innen einbezogen?

Die Autor*innen beziehen in die Studie auch Aspekte auf persönlicher Ebene ein, so etwa die Mediennutzung - sowohl privat als auch im Studium - der Befragten als auch ihre subjektiven Wertüberzeugungen bezüglich digitaler Medien (also Nützlichkeit, Wichtigkeit, Interesse und empfundene Kosten). Sie überprüfen, ob und in welchem Zusammenhang diese Faktoren zur selbsteingeschätzten Medienkompetenz stehen.

Herausforderungen der Erfassung von Kompetenz

Die verwendeten Items bilden zum Teil mehrere Facetten digitaler Kompetenz ab, sodass teilweise keine präzisen Rückschlüsse auf einzelne Fähigkeiten in den Kompetenzbereichen möglich sind.

Quellenangabe

Rubach, C., & Lazarides, R. (2019). Eine Skala zur Selbsteinschätzung digitaler Kompetenzen bei Lehramtsstudierenden. zbf. Zeitschrift für Bildungsforschung, 9(3), 345-374.

Zuletzt geändert am 3. July 2021.