KI und Alter: Einführung, Potenziale und Herausforderungen
Kurzbeschreibung
Der Beitrag gibt einen Überblick über Potenziale und Herausforderungen, die Künstliche Intelligenz für die gerontologische Forschung und für die praktische Arbeit – hier der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Sozialer Arbeit – bereithält. Die Autorin nimmt zunächst generationsspezifische Unterschiede in der Technikakzeptanz und alltagsbezogenen Nutzung von Künstlicher Intelligenz in den Blick. Dabei arbeitet sie Alterseffekte (also Veränderungen über die Lebensspanne) und Kohorteneffekte (d. h. Veränderungen der Einstellung zur Technik innerhalb einer Generation) heraus. Für den Bereich der Technikentwicklung und die wissenschaftliche Forschung zur Aneignung und Nutzung Künstlicher Intelligenz gilt es, die besonderen körperlichen und sozialen Umstände im fortgeschrittenen Lebensalter sowie generationsspezifische Technikbiografien zu berücksichtigen, um älteren Menschen die Annahme neuer Technologien zu erleichtern.
Annahmen über die Folgen der Digitalisierung
Künstliche Intelligenz kann verschiedene Bereiche im Leben von Menschen im höheren Lebensalter tiefgreifend verändern. Im Bereich Wohnen können KI-basierte Technologien dabei helfen, eine möglichst selbstständige Lebensführung in den eigenen vier Wände so lange wie möglich aufrecht zu erhalten. Außerdem können KI-basierte, umweltfreundliche Transportlösungen die Barrierefreiheit mobilitätseingeschränkter Älterer erhöhen. KI-basierte Chatbots und soziale Roboter können – solange sie zwischenmenschliche Interaktionen nicht ersetzen – Ältere emotional und bei der (digitalen) Kontaktaufnahme mit anderen Personen unterstützen, etwa wenn eine eingeschränkte Sehkraft oder Beweglichkeit der Hände die Kontaktaufnahme zu anderen erschweren. Und letztlich kann der Einsatz KI-basierter Technologien im Gesundheits- und Pflegebereich zu einer niedrigschwelligen Gesundheitsversorgung, zur Unterstützung von Pflegekräften (z. B. durch Frühwarnsysteme) sowie zur verbesserten Diagnose, Therapie, Entlassungs- und Nachsorgemanagement von Krankenhäusern beitragen. Im Bereich der Sozialen Arbeit kann Künstliche Intelligenz bei der Beratung oder Interventionsplanung von Nutzen sein. Ungeachtet dieser Potentiale kann ein zunehmender KI-Einsatz die digitale Spaltung der Gesellschaft erhöhen. Darüber hinaus liegt bislang sowohl im individuellen Alltag als auch in Wissenschaft und Praxis eine gewisse Planlosigkeit vor, wie Künstliche Intelligenz ein erfolgreiches Altern begleiten kann. Obwohl Künstliche Intelligenz immer stärker in den Alltag der Menschen integriert wird und sich viele ältere Menschen bewusst sind, in welchen Anwendungen Künstliche Intelligenz steckt, schätzen sie die Bedeutung dieser im eigenen Leben als eher gering ein. In der gerontologischen Forschung und Praxis werden derzeit vor allem die positiven Effekte von Künstlicher Intelligenz auf das Sozialleben, die Gesundheit und das Autonomieempfinden betont, während Wissenschaftler*innen aus dem Bereich der Sozialen Arbeit eruieren, wie KI-basierte Sprachmodelle und Sprachverarbeitung verschiedene Tätigkeitsbereiche in der Altenarbeit ergänzen können. Folglich mangelt es fachübergreifend an fundierten Theorien und Konzepten zum thematischen Konnex von Alter und Künstlicher Intelligenz.
Kompetenzanforderungen
Ältere Menschen müssen nicht unbedingt mit einem Touchscreen umgehen können, da etwa haptische Funktionseinschränkungen im höheren Alter nicht unüblich sind, sondern können beispielsweise auch über Sprachbefehle KI-basierte Sprachassistenten steuern. Jedoch benötigen sie ein grundlegendes Verständnis dieser Systeme, das durch entsprechende Bildungsangebote vermittelt werden sollte. Zudem sollten ältere KI-Nutzer*innen das Risiko, die Tragweite und die Folgen einer Datenerhebung und -verarbeitung durch Künstliche Intelligenz vollständig verstehen, um zu verhindern, dass ihre persönlichen Daten in die falschen Hände geraten sowie Inhalte, die durch Künstliche Intelligenz generiert wurden, kritisch hinterfragen.
Kompetenzbegriffe (nach dem Papier)
Digitale Kompetenzen | Technikkompetenz | Datenkompetenz
Unterdimensionen (nach dem Papier)
keine Angabe
Kompetenzdimensionen (nach dem Rahmenkonzept von Digitales Deutschland)
Instrumentell-qualifikatorische Dimension: KI-basierte Technologien regelmäßig im Bereich Wohnen/Mobilität, Gesundheit/Pflege und für soziale Interaktionen nutzen.
Kognitive Dimension: Grundlegendes Verständnis Künstlicher Intelligenz.
Affektive Dimension: Vertrauen in neue Technologien.
Kreative Dimension: Beteiligung älterer Menschen an Technikentwicklung.
Soziale Dimension: Pflege sozialer Beziehungen mit digitalen und KI-basierten Technologien.
Kritisch-reflexive Dimension: Informationen und Empfehlungen von Künstlicher Intelligenz kritisch hinterfragen; Risiko, Tragweite und Folgen einer Datenerhebung und -verarbeitung durch Künstliche Intelligenz verstehen; Datenmissbrauch verhindern; KI-basierte Altersdiskriminierung verstehen.
Zentrale theoretische Annahmen über Kompetenz
Digitale Kompetenzen werden als unverzichtbar beschrieben, um aktiv an der Gesellschaft teilhaben und von Anwendungen Künstlicher Intelligenz profitieren zu können.
Perspektive der Kompetenzträger*innen auf Kompetenz einbezogen?
keine Angabe
Lebenskontexte der Kompetenzträger*innen einbezogen?
Um in Forschung und Praxis die KI-Nutzung und Technikeinstellung von älteren Menschen angemessen erheben zu können, altersgerechte Technologien zu entwickeln und zielgruppenspezifische Bildungsangebote zum Kompetenzewerb zu unterbreiten, müssen verschiedenste individuelle Aspekte älterer Menschen berücksichtigt werden – etwa gesundheitliche Faktoren wie z. B. eine eingeschränkte Feinmotorik, die die Touchscreen-Nutzung erschwert, aber auch kognitive Beeinträchtigungen. Hinzu kommen soziale Faktoren, wie z. B. subjektive Einsamkeit. Diese entscheiden mit darüber, wie KI-basierte Technologien von älteren Individuen angenommen und im Alltag integriert werden. Der kompetente Umgang mit Technologien ist darüber hinaus auch durch die Generationenzugehörigkeit moderiert. Es handelt sich hierbei um Kohorteneffekte, die erklären, warum jüngere Generationen eine anderen Einstellung zu neuen Technologien haben und warum sie diese auf andere Art und Weise nutzen. Dies drückt sich im Konzept der Technikgenerationen aus, demzufolge Technologien, mit denen man im Alter von 10-25 Jahren aufgewachsen ist, diejenigen sind, mit denen man am souveränsten im gesamten Lebenslauf interagiert. Da die heute älteren Menschen nicht mit digitalen und KI-basierten Technologien aufgewachsen sind, begegnen sie ihnen entsprechend verhaltener, als es jüngere Generationen tun. Die Autorin vermutet, dass ältere Menschen weniger digital kompetent sind als jüngere Generationen. Deshalb seien ältere Menschen beim Umgang mit KI-basierten Technologien auf Unterstützung angewiesen, etwa durch Angehörige oder durch Pflegefachkräfte, Sozialarbeitende und das medizinische Fachpersonal in institutionellen Wohnformen der Altenhilfe. Zu diesem Zweck sollte das Personal geschult sein. Darüber hinaus können ehrenamtlich tätige Ältere im Rahmen des peer-to-peer-Ansatzes andere Ältere mit Einschränkungen beim Kompetenzerwerb unterstützen. Menschen im höheren Lebensalter sind zudem auf gute infrastrukturelle Bedingungen, etwa ein Internetzugang in institutionellen Wohnformen oder Assistenzsysteme in Krankenhäusern, angewiesen. Daneben gilt es, geschlechts- und bildungsspezifische Faktoren zu berücksichtigen. So ist etwa die Einstellung zur Technik und der affektive Umgang weiterhin vom Geschlecht beeinflusst. Ferner spielt der Bildungsabschluss eine wichtige Rolle bei der Frage, wie zugänglich neue Technologien sind und wie häufig sie genutzt werden.
Herausforderungen der Erfassung von Kompetenz
keine Angabe
Quellenangabe
Schlomann, A. (2025). KI und Alter: Einführung, Potenziale und Herausforderungen. In G. Linnemann, J. Löhe, & B. Rottkemper (Hrsg.), Künstliche Intelligenz in der Sozialen Arbeit: Grundlagen für Theorie und Praxis (S. 141-155). Beltz Juventa. https://doi.org/10.3262/978-3-7799-8562-4_011