Kompass: Künstliche Intelligenz und Kompetenz 2025 – Einstellungen, Handeln und Kompetenzentwicklung im Kontext von KI
Kurzbeschreibung
Die dritte Studie im Rahmen der Reihe „Kompass: Künstliche Intelligenz und Kompetenz“ gibt einen Einblick, wie kompetent sich die Bevölkerung in Deutschland 2025 im Umgang mit digitalen Medien und Systemen erlebt. Dabei steht insbesondere Künstliche Intelligenz im Fokus. Wie schätzt die Bevölkerung die eigene Digital- und Medienkompetenz ein? Wie kompetent nimmt sie sich im Umgang mit Systemen Künstlicher Intelligenz wahr? Wie bewertet sie Entwicklungen im Bereich Künstlicher Intelligenz für sich selbst, aber auch mit Blick auf die Gesellschaft? Und in welchen Zusammenhängen haben die Bürger*innen ihre Kompetenzen erworben? Diese Fragen stehen im Fokus der vorliegenden Studie. Die Erkenntnisse bieten eine Grundlage zur Ausgestaltung passgenauer Maßnahmen, die die Kompetenzentwicklung in der Bevölkerung unterstützen und so gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen.
Annahmen über die Folgen der Digitalisierung
Digitale Medien und insbesondere Künstliche Intelligenz finden zunehmend Einsatz in immer weiteren Bereichen unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens, beispielsweise in der Medizin oder im Journalismus. Menschen kommen in ihrem Alltag über unterschiedliche digitale Medien mit Künstlicher Intelligenz in Berührung und benötigen dementsprechend Kompetenzen im Umgang damit.
Kompetenzanforderungen
In der Studie wurden verschiedene Kompetenzanforderungen betrachtet, die detailliert in der Rubrik „Kompetenzdimensionen“ beschrieben sind.
Kompetenzbegriffe (nach dem Papier)
Digital- und Medienkompetenz | KI-Kompetenz
Unterdimensionen (nach dem Papier)
instrumentell-qualifikatorische Dimension,
kognitive Dimension,
affektive Dimension,
kreative Dimension,
soziale Dimension,
kritisch-reflexive Dimension
Kompetenzdimensionen (nach dem Rahmenkonzept von Digitales Deutschland)
Instrumentell-qualifikatorische Dimension: Technische Schwierigkeiten beim Umgang mit Medien selbstständig beheben können; Einstellungen von digitalen Geräten und Diensten den eigenen Wünschen entsprechend ändern können; wissen, wie sich Datenschutzeinstellungen anpassen lassen; wissen, wie man Standorteinstellungen deaktivieren kann; wissen, wie sich Aufzeichnungen von Websites löschen lassen; wissen, wie man das eigene Gerät schützen kann.
Kognitive Dimension: Wenn man Fragen hat, online passende Informationen finden können; die Glaubwürdigkeit von Quellen einschätzen können; wissen, wie man erkennen kann, ob ein WLAN-Netz sicher ist; Anfragen an ein KI-System ändern, sodass man zu einem zufriedenstellenden Ergebnis kommt.
Affektive Dimension: Inhalte zur Unterhaltung auswählen können; der Dauer der eigenen Mediennutzung Grenzen setzen können; digitale Medien so nutzen, dass es einem guttut.
Kreative Dimension: Kreative Inhalte erstellen können; kreative Inhalte mit anderen teilen können; gezielt Einfluss auf künftige Vorschläge durch KI-Systeme nehmen.
Soziale Dimension: Respektvoll auf Inhalte anderer reagieren können; kreative Inhalte mit anderen teilen können; einschätzen, wem man im Internet vertrauen kann.
Kritisch-reflexive Dimension: Risiken der Nutzung von digitalen Medien und Online-Diensten erkennen können; die eigene Privatsphäre schützen können; der Dauer der eigenen Mediennutzung Grenzen setzen können.
Zentrale theoretische Annahmen über Kompetenz
Kompetenzen werden in Anlehnung an die Definition von Franz Weinert als „die bei Individuen verfügbaren oder durch sie erlernbaren kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten, um bestimmte Probleme zu lösen, sowie die damit verbundenen motivationalen, volitionalen und sozialen Bereitschaften und Fähigkeiten, um die Problemlösung in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsvoll nutzen zu können“ (S. 11) verstanden. Der Begriff Digitalkompetenz bildet eine Klammer für verschiedene Kompetenzbegriffe, die jeweils unterschiedliche Schwerpunkte setzen (zum Beispiel Medienkompetenz, Datenkompetenz und spezielle KI-bezogene Kompetenzen). Im Projekt Digitales Deutschland wird der Begriff Digitalkompetenz weit gefasst. So nehmen die Autor*innen alle Kompetenzen in den Blick, die für ein souveränes Leben angesichts des fortschreitenden digitalen Wandels als notwendig erachtet werden.
Perspektive der Kompetenzträger*innen auf Kompetenz einbezogen?
keine Angabe
Lebenskontexte der Kompetenzträger*innen einbezogen?
Soziodemographische Merkmale wie Alter, Geschlecht, formaler Bildungsabschluss sowie der Beruf der Befragten wurden in die Auswertung der Ergebnisse systematisch einbezogen.
Herausforderungen der Erfassung von Kompetenz
Die Studie basiert auf Selbsteinschätzungen, damit können die Ergebnisse mitunter von der tatsächlichen Kompetenz der Befragten abweichen, da diese sich womöglich über- oder unterschätzt haben. Im Rahmen der Studie konnte nicht überprüft werden, inwiefern die Selbsteinschätzungen mit dem tatsächlichen Handeln korrespondieren, allerdings wurde – um einen weiteren Ansatzpunkt bei der Interpretation der Ergebnisse zu haben – neben der Selbsteinschätzung auch nach der Relevanzeinschätzung der verschiedenen Kompetenzanforderungen gefragt.
Zentrale empirische Befunde über Kompetenz
Künstliche Intelligenz ist inzwischen ein zentrales Thema der öffentlichen Debatte, was sich auch in der Wahrnehmung der Bevölkerung spiegelt. Im Jahr 2025 ist der Begriff „Künstliche Intelligenz“ nahezu allen Befragten bekannt. Während 2023 noch 86 Prozent angaben, bereits von Künstlicher Intelligenz gehört oder gelesen zu haben, sind es heute 96 Prozent. Trotz der weiten Verbreitung des Begriffs erleben sich viele Menschen nicht als Expert*innen in diesem Bereich. Mehr als die Hälfte derjenigen, die KI kennen, geben an, nur ungefähr zu wissen, was darunter zu verstehen ist. Zugleich bestehen weiterhin bekannte Unterstützungsbedarfe im Bereich der Medien- und Digitalkompetenz. So erfährt etwa Datenschutz weiterhin hohe Wertschätzung, wobei zugleich ein Gefühl der Unsicherheit in diesem Bereich besteht. Unterstützung braucht es zudem bei mehreren Anforderungen, insbesondere beim Beheben technischer Probleme, der Beurteilung der Glaubwürdigkeit von Quellen sowie affektiven Fähigkeiten, wie dem Setzen von Grenzen oder Medien zum eigenen Wohlbefinden einzusetzen. Für das Kompetenzerleben spielen die Mediennutzung und der formale Bildungshintergrund eine bedeutsame Rolle. Werden diese Faktoren berücksichtigt, vermindern sich Unterschiede im Kompetenzerleben zwischen Menschen verschiedenen Alters. Nach wie vor eignen sich viele Menschen Digital- und Medienkompetenz vor allem im Selbststudium an. Gleichzeitig stützen sich viele auf Unterstützung aus der Familie und dem Freundeskreis. Im Vergleich dazu spielen stärker strukturierte Lernangebote eine geringere Rolle.
Quellenangabe
Cousseran, L., Lauber, A., Brüggen, N., Sūna, L., & Bogen, C. (2025). Kompass: Künstliche Intelligenz und Kompetenz 2025. Einstellungen, Handeln und Kompetenzentwicklung im Kontext von KI. JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis. kopaed. https://doi.org/10.25656/01:34360
Sonstige Anmerkungen
Künstliche Intelligenz wird von den Befragten weiterhin häufig zugleich als Chance und als Risiko wahrgenommen.