Kompetenzen für die Soziale Arbeit der Zukunft: Fach- und Führungskräfte im KI-Zeitalter

Kurzbeschreibung

Die Autor*innen entwickeln einen Kompetenzrahmen, der eine systematische Grundlage für die Professionalisierung der Sozialen Arbeit im digitalen Wandel bieten soll. Dieser wird ausgehend von DigComp 2.2 und anderen Kompetenzmodellen für die Praxis der Sozialen Arbeit angepasst und erweitert. Entstanden ist eine erweiterte Matrix, die eine differenzierte Betrachtung der für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz erforderlichen Kompetenzen in der Sozialen Arbeit ermöglicht und sowohl theoretische Fundierung als auch praktische Anwendbarkeit vereint. Im Fokus stehen dabei zentrale domänenspezifische Kompetenzen der Sozialen Arbeit: Fach-, Kommunikations-, Methoden-, Forschungs- und Selbstkompetenz. Darüber hinaus werden spezifische Kompetenzprofile für unterschiedliche Rollen und Kontexte in der Sozialen Arbeit beschrieben. Die hier folgende Zusammenfassung basiert vor allem auf den Kapiteln 12.1 und 12.2, in denen das vorgeschlagene Kompetenzmodell allgemein skizziert wird.

Annahmen über die Folgen der Digitalisierung

Systeme Künstlicher Intelligenz prägen auch die Soziale Arbeit. So finden etwa Chatbots zunehmend in diesem Berufsfeld Anwendung. Auch in den Bereichen des Wissensmanagements, der Forschung, der Entscheidungsunterstützung und der Ressourcenplanung in der Sozialen Arbeit spielen Systeme Künstlicher Intelligenz eine immer wichtigere Rolle. Zum einen führt dieser Wandel zu beschleunigten Arbeitsprozessen und steigendem Innovationsdruck. Auch sind Risiken des Einsatzes von KI-Systemen besonders komplex. Zum anderen versprechen KI-Technologien nicht nur Effizienzgewinne, sondern auch neue Möglichkeiten der Fallsteuerung und -dokumentation. Vor diesem Hintergrund ist es notwendig, dass Fachkräfte aus der Sozialen Arbeit gezielt Kompetenzen (weiter) entwickeln und ihre Arbeitsprozesse kontinuierlich anpassen – obgleich dieser Wandel der Sozialen Arbeit nicht als „technikgetriebene Disruption“ gesehen werden sollte, sondern vielmehr als „historisch konturierter Wandel professioneller Beziehungen“ (S. 582). Dass der Kompetenzerwerb durch die Einrichtungen unterstützt werden muss, legt beispielsweise die KI-Verordnung der Europäischen Union fest. Zudem wird es aber auch nötig sein, Curricula und Weiterbildungen dem digitalen Wandel entsprechend anzupassen, da sich Kompetenzanforderungen vor diesem Hintergrund stetig wandeln.

Kompetenzanforderungen

Mitarbeitende in der Sozialen Arbeit stehen vor der Herausforderung, nicht nur technisches Wissen, sondern auch Anpassungsfähigkeit im Kontext digitaler Technologien zu entwickeln und kontinuierliche ihre digitalen Kompetenzen weiterzuentwickeln. Eine Übersicht über zentrale Anforderungen findet sich unter der Überschrift „Kompetenzdimensionen“. Weitere Ausprägungen der Kompetenzdimensionen unter anderem auch nach Kompetenzniveaus und -Profilen finden sich in dem Beitrag in Kapitel 12.3.

Kompetenzbegriffe (nach dem Papier)

KI-Kompetenz | Digitale Kompetenzen

Unterdimensionen (nach dem Papier)

KI-Wissen,
KI-Nutzung,
KI-Kritik,
KI-Entwicklung

Kompetenzdimensionen (nach dem Rahmenkonzept von Digitales Deutschland)

Instrumentell-qualifikatorische Dimension: KI-Tools und-Systeme anwenden können; Datenmanagement realisieren können.

Kognitive Dimension: Wissen über die grundlegenden Prinzipien, Begriffe und Funktionsweisen von KI-Systemen sowie deren Nutzungsmöglichkeiten und Limitationen.

Kreative Dimension: Anforderungen aus der Praxis systematisch erfassen und in technische Spezifikationen übersetzen können; KI-Systeme konzipieren, programmieren und weiterentwickeln können; Methodische Fähigkeiten zur Evaluation und iterativen Anpassung von KI-Systemen basierend auf Praxisfeedback; aktiv an der Mitgestaltung von Technologien und digitalen Infrastrukturen mitwirken, damit darin sozialarbeiterische Werte Berücksichtigung finden.

Soziale Dimension: Fähigkeiten im Schnittstellenmanagement zwischen technischer Entwicklung und fachlicher Praxis.

Kritisch-reflexive Dimension: Künstliche Intelligenz verantwortungsvoll einsetzen; Fähigkeit, soziale und ethische Implikationen von Technologien Künstlicher Intelligenz zu antizipieren und zu berücksichtigen; Risiken und Chancen Künstlicher Intelligenz bewerten können; die Qualität von KI-generierten Inhalten beurteilen können; über Diskriminierung oder Bias kritisch reflektieren können; über die Wechselwirkungen zwischen Mensch und Maschine reflektieren können; Entscheidungen auf wissenschaftliche Erkenntnisse (auch KI-gestützte Analysen) stützen können; Methodische Fähigkeiten zur Evaluation und iterativen Anpassung von KI-Systemen basierend auf Praxisfeedback; institutionelle Rahmenbedingungen für den Einsatz Künstlicher Intelligenz mitgestalten können und dabei verschiedene Perspektiven einbeziehen.

Zentrale theoretische Annahmen über Kompetenz

Ausgehend vom Kompetenzverständnis von Erpenbeck und Rosenstiel definieren die Autor*innen Kompetenzen als Selbstorganisationsdispositionen im Kontext Künstlicher Intelligenz. Die Autor*innen entwickeln angelehnt an die theoretischen Arbeiten von Schmidt und Kolleg*innen, Knoth und Kolleg*innen sowie das Digital Competence Framework eine mehrdimensionale KI-Kompetenzmatrix, die zentrale für die Soziale Arbeit spezifische Kompetenzen (Fach-, Kommunikations-, Methoden-, Forschungs- und Selbstkompetenz) in den Fokus nimmt. Dabei differenziert sie unterschiedliche Kompetenzniveaus, die von basalen bis zu hoch spezialisierten Fähigkeiten reichen. KI-Kompetenzen gehen dabei über technische Fertigkeiten hinaus und umfassen auch gesellschaftliche, ethische und regulatorische Fragen. Für die Soziale Arbeit sind vor allem anwendungsbezogene und ethisch reflektierte Kompetenzen relevant, technische Detailfähigkeiten hingegen weniger.

Perspektive der Kompetenzträger*innen auf Kompetenz einbezogen?

keine Angabe

Lebenskontexte der Kompetenzträger*innen einbezogen?

Der Beitrag nimmt verschiedene Kontextfaktoren in den Blick, etwa die verschiedenen beruflichen Felder, die unter dem Begriff Soziale Arbeit zusammengefasst sind, die Integration medienpädagogischer Grundlagen in der Ausbildung von Fachkräften, aber auch regulatorische Vorgaben wie beispielsweise die KI-Verordnung der Europäischen Union. So unterscheiden sich Kompetenzanforderungen etwa je nach Handlungsfeld und Arbeitskontext stark.

Herausforderungen der Erfassung von Kompetenz

keine Angabe

Quellenangabe

Plafky, C.S., & Badertscher, H. (2025). Kompetenzen für die Soziale Arbeit der Zukunft: Fach- und Führungskräfte im KI-Zeitalter. In C.S. Plafky & H. Badertscher (Hrsg.), Künstliche Intelligenz in der Sozialen Arbeit. Springer VS. https://doi.org/10.1007/978-3-658-49009-6_12

Zuletzt geändert am 23. Dezember 2025.