Kompetenz fällt nicht vom Himmel – Wie Kinder lernen, sich online zu informieren

Autorin: Laura Cousseran

Sich mithilfe digitaler Medien informieren zu können – darin zeigt sich Medienkompetenz (Digitales Deutschland 2021). Mit Suchmaschinen, YouTube, Kindernachrichten oder Wissensmagazinen On-Demand sind die Möglichkeiten für Kinder auf Informationen zuzugreifen nahezu unbegrenzt.

Zugleich wandeln sich Kompetenzanforderungen (wie z. B. seriöse Inhalte zu erkennen) durch die zunehmende Bedeutung Künstlicher Intelligenz (KI). Das zeigt sich auch auf der bei Kindern beliebten Plattform YouTube. Laut einer Befragung des FLIMMO sind sich viele Kinder unsicher, ob Inhalte wahr oder falsch sind (Redaktion FLIMMO 2025c).

Vor diesem Hintergrund beantwortet das Team des FLIMMO in seinem Special zu Informationskompetenz folgende Fragen:

  • Wie finden Grundschulkinder sich in der Informationsfülle im Internet zurecht?
  • Wie müssen Inhalte gestaltet sein, damit sie ihnen im Gedächtnis bleiben?
  • Was fällt Grundschüler*innen schwer und wie können Eltern sie darin unterstützen, Informationskompetenz zu entwickeln?

 

Grundlage dieses Specials ist die FLIMMO-Kinderbefragung, bei der 56 Kinder im Alter von 6 bis 11 Jahren befragt wurden. Ein Einblick in die Antworten des Specials ist im Folgenden zusammengefasst.

Sich informieren – ist was anders in Zeiten von KI

KI verändert die Art und Weise, wie Internetnutzer*innen recherchieren. Neben Suchmaschinen (für Erwachsene oder für Kinder) werden zunehmend Chatbots wie ChatGPT genutzt, die automatisch Antworten auf verschiedenste Anfragen generieren (Feierabend et al. 2025a). Allerdings müssen diese Ergebnisse stets kritisch geprüft werden, denn auch KI-Systeme können falsche Informationen – KI-Halluzinationen genannt – liefern (Strauß 2024).

Zudem ist es durch KI herausfordernder geworden, den Wahrheitsgehalt von Informationen zu bewerten, da sich mit KI täuschend echte Audios, Bilder oder Videos erstellen lassen (Redaktion FLIMMO 2025a).

Dies stellt vor allem Grundschulkinder vor Herausforderungen, die sich in diesem Alter noch schwer damit tun, Falschinformationen zu erkennen. Das hat verschiedene Gründe:

  1. Erstens fehlt ihnen noch Hintergrundwissen sowie die Fähigkeit, Informationen einzuschätzen.
  2. Zweitens lassen sie sich leichter beeinflussen. Denn Kinder vertrauen beliebten Vorbildern und Autoritäten. Eltern spielen hier natürlich eine Rolle, aber auch Influencer*innen können z. B. als Identifikationsfigur dienen (Redaktion FLIMMO 2025b, Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter e.V. 2024, Feierabend et al. 2025b).
  3. Und drittens bleiben Kindern Informationen vor allem in Erinnerung, wenn sie Gefühle wecken, etwa weil sie emotional, lustig und spannend gestaltet sind. So schenken Kinder emotional aufbereiteten Inhalten mehr Glauben als „trockenen Fakten“. (Redaktion FLIMMO 2025a & 2025b).

Medienkompetenz ist mehr als Wissen

Die Wirkung einer emotionalen Aufbereitung zeigt, dass für einen medienkompetenten Umgang nicht allein Wissen, wie Informationen im Netz gefunden werden können, wichtig ist. Vielmehr geht es auch darum, emotionale Reaktionen wie Spannung oder Spaß erkennen und einordnen zu können (Pfaff-Rüdiger et al. 2025). Gerade auf Social Media ist das relevant, da die Logik solcher Plattformen auf Aufmerksamkeit ausgerichtet ist. So verbreiten sich Inhalte dort besonders gut, wenn sie emotional, überraschend oder lustig sind. Bei Kindern kann so der Eindruck entstehen, dass vor allem Inhalte wichtig und wahr sind, die oft gelikt oder geteilt werden (Redaktion FLIMMO 2025e).

Dies zeigt die verschiedenen Facetten von Kompetenz, die Kinder nach und nach entwickeln müssen. Die FLIMMO-Redaktion schließt daraus, dass für eine fundierte Meinung vor allem folgende Punkte wichtig sind:

  • Suchstrategien entwickeln: Kinder benötigen Wissen, wo sie Informationen finden (beispielsweise in Kindersuchmaschinen) und wie sie gute Suchbegriffe formulieren können (Redaktion FLIMMO 2025f).
  • Inhalte hinterfragen: Sie müssen Informationen und Quellen prüfen und kritisch hinterfragen können (Redaktion FLIMMO 2025b) – auch dahingehend, ob Inhalte Emotionen auslösen und wieso.
  • Erst reflektieren, dann handeln: Auf Basis dieser Reflexion sollten Kinder entscheiden, inwiefern sie Inhalte teilen. So kann jede*r dazu beitragen, die Verbreitung von Falschinformationen zu begrenzen.

Wie Eltern ihre Kinder unterstützen können

Eltern können ihre Kinder auf vielfältige Weise bei diesen Aufgaben unterstützen. Das FLIMMO-Team empfiehlt:

  • Kinder in ihrem Medienhandeln begleiten: Das umfasst z. B., Kindern zuzuhören und nachzufragen, gemeinsam zu lernen, was eine gute Quelle ausmacht und wo sich gute Informationsquellen finden lassen (Redaktion FLIMMO 2025b).
  • Wichtig ist zudem, ihnen eine Haltung zu vermitteln, dass ein kritischer Blick notwendig ist, da nicht alles korrekt ist, was sie im Internet sehen. Eltern sollten ihren Kindern ein Vorbild sein, indem sie selbst reflektiert mit Online-Inhalten umgehen. So lernen Kinder von ihnen durch Beobachtung (Redaktion FLIMMO 2025e).
  • KI-Sprachmodelle wie ChatGPT eignen sich für Grundschüler*innen eher weniger, da bei ihnen besonders schwer zu erkennen ist, was wahr und was falsch ist. Bevor Chatbots genutzt werden, sollten Kinder lernen, selbst zu recherchieren, sich Wissen anzueignen und zu erarbeiten (Redaktion FLIMMO 2025f).

Viele weitere Anregungen für Eltern finden sich hier.

Zitationsvorschlag

Cousseran, L. (2025). Kompetenz fällt nicht vom Himmel – Wie Kinder lernen, sich online zu informieren. Blog-Beitrag auf der Projektwebsite von Digitales Deutschland, online verfügbar unter https://digid.jff.de/kompetenz-faellt-nicht-vom-himmel/

Literatur

Digitales Deutschland (2021). Rahmenkonzept. https://digid.jff.de/rahmenkonzept/

Feierabend, S., Rathgeb, T., Gerigk, Y., & Glöckler, S. (2025a). JIM-Studie 2025. Jugend, Information, Medien. Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest. https://mpfs.de/studie/jim-studie-2025/

Feierabend, S., Rathgeb, T., Gerigk, Y., & Glöckler, S. (2025b). KIM-Studie 2024. Kindheit, Information, Medien. Basisuntersuchung zum Medienumgang 6- bis 13-Jähriger. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest. https://mpfs.de/studie/kim-studie-2024/

Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter e.V. (2024). Eltern als Vorbilder für die Mediennutzung. https://www.elternguide.online/eltern-als-vorbilder-fuer-die-mediennutzung/

Pfaff-Rüdiger, S., Schober, M., Sūna, L., Cousseran, L., Lauber, A., & Brüggen, N. (2025). Zur Bedeutung von Affekten und Emotionen für KI-bezogene Medienkompetenz. merzWissenschaft 69(6), 48-64.

Redaktion FLIMMO (2025a). Fake News und Deepfakes erkennen. https://www.flimmo.de/redtext/101585/fake-news-und-deepfakes-erkennen

Redaktion FLIMMO (2025b). Gut informiert von Anfang an. https://www.flimmo.de/redtext/101589/gut-informiert-von-anfang-an

Redaktion FLIMMO (2025c). Informieren will gelernt sein – So können Eltern Grundschulkinder unterstützen. https://www.flimmo.de/special/36/informieren-will-gelernt-sein—so-koennen-eltern-grundschulkinder-unterstuetzen

Redaktion FLIMMO (2025d). Mit Videos informieren – wie das gut klappt. https://www.flimmo.de/redtext/101580/mit-videos-informieren—wie-das-gut-klappt

Redaktion FLIMMO (2025e). Social Media als Infoquelle – Meinungsmacht im Netz. https://www.flimmo.de/redtext/101583/social-media-als-infoquelle—meinungsmacht-im-netz

Redaktion FLIMMO (2025f). Wie Kinder recherchieren lernen. https://www.flimmo.de/redtext/101582/wie-kinder-recherchieren-lernen

Strauß, S. (2024). CAIL – Critical AI Literacy: Kritische Technikkompetenz für konstruktiven Umgang mit KI-basierter Technologie in Betrieben. Institut für Technikfolgen-Abschätzung. https://epub.oeaw.ac.at/?arp=0x003f893c