Förderung digitaler Kompetenzen von Kindern in Kindertageseinrichtungen – Empirische Befunde und konzeptionelle Grundlegung

Kurzbeschreibung

Die vorliegende Expertise befasst sich mit der Frage, was digitale Kompetenzen bei Kleinkindern umfassen und wie sich diese in Kindertageseinrichtungen (Kitas) fördern lassen. Dabei wird insbesondere auf pädagogische Handlungskonzepte der Reggio-Pädagogik verwiesen. Zu Beginn der Expertise vergleicht die Autorin verschiedene Kompetenzmodelle und leitet daraus sieben Kompetenzdimensionen ab, die für den Kitaalltag relevant sind. Anschließend geht sie auf vielfältige methodische Zugänge ein, über die Kinder sich spielerisch digitale Kompetenzen aneignen bzw. wie Fachkräfte sie dazu anregen und dabei unterstützen können. Die Expertise schließt mit einem Überblick über förderliche Rahmenbedingungen, wie beispielsweise eine ausreichende technische Ausstattung aber auch hilfreiche Haltungen der pädagogischen Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen.

Annahmen über die Folgen der Digitalisierung

Digitale Technologien sind heutzutage ein fester Bestandteil des Alltags und wirken in zahlreiche Lebensbereiche oft auch auf zunächst nicht sichtbare Weise. Angesichts dieser Entwicklung plädiert die Autorin dafür, den Begriff digitale Kompetenzen zu verwenden (als eine Erweiterung von Medienkompetenz). Es ist davon auszugehen, dass diesen Kompetenzen für die Zukunft heutiger Kinder eine große Bedeutung zukommen wird.

Kompetenzanforderungen

In der Expertise werden zahlreiche Kompetenzanforderungen beschrieben (eine ausführliche Liste findet sich unter der Überschrift „Kompetenzdimensionen“). Dabei betont die Autorin, dass gerade dem aktiven Gestalten von Medienprodukten in der Kita eine wichtige Rolle zukommen sollte.

Kompetenzbegriffe (nach dem Papier)

Digitale Kompetenzen

Unterdimensionen (nach dem Papier)

Bedienen und Anwenden,
Informieren und Recherchieren,
Kommunizieren und Kooperieren,
Analysieren und Reflektieren,
Schützen und sicher Agieren,
Produzieren und Präsentieren,
Problemlösen und Handeln

Kompetenzdimensionen (nach dem Rahmenkonzept von Digitales Deutschland)

Instrumentell-qualifikatorische Dimension: Hardware ein- und ausschalten; Software öffnen und schließen; digitale Medien aktiv kennenlernen; Sicherheitsmaßnahmen ergreifen; technische Probleme lösen; die Funktionsweise audiovisueller Medien kennen; wissen, wie man sich vor etwaigen Risiken schützt und im digitalen Raum sicher agiert (z. B. Sicherheitseinstellungen vornehmen); wissen, wie man effektiv mit KI-Systemen interagiert und ihre praktischen Anwendungen versteht; mithilfe digitaler Medien etwas präsentieren.

Kognitive Dimension: Software (z. B. Apps oder Suchmaschinen im Internet) zu gewünschten Zwecken nutzen können; Suchstrategien kennen und anwenden; Inhalte abrufen und speichern; digitalen Informationen organisieren und analysieren; einzelne Medien und Medienprodukte benennen; Werbung als solche erkennen; grundlegende Informations- und Recherchewege kennen (insbesondere im Internet), z. B. Suchmaschinen mit der Eingabe geeigneter Suchbegriffe nutzen; einen differenzierten Blick auf die unterschiedlichen Qualitäten digitaler Medienprodukte und ihre Wirkungen haben; Wissen über Datenschutz und den Schutz von Persönlichkeitsrechten; verschiedene Fähigkeiten von Künstlicher Intelligenz (wie Mustererkennung, maschinelles Lernen und natürliche Sprachverarbeitung) sowie ihre Grenzen verstehen.

Kreative Dimension: Technologien kreativ einsetzen; mithilfe digitaler Medien etwas produzieren; neue Inhalte erstellen und bearbeiten (von der Textverarbeitung bis hin zu Bildern und Videos); frühere Kenntnisse und Inhalte integrieren und überarbeiten; kreative Ausdrucksformen, Medienausgaben und Programmierungen erstellen; konzeptionelle Probleme mit digitalen Mitteln lösen.

Soziale Dimension: In digitalen Umgebungen kommunizieren; Ressourcen mithilfe von Online-Tools gemeinsam nutzen; Verknüpfung mit anderen und Zusammenarbeit mithilfe digitaler Tools, mit Gemeinschaften und Netzwerken interagieren; an Gemeinschaften und Netzwerken teilnehmen; Kompetenzen anderer aktualisieren.

Kritisch-reflexive Dimension: Die Relevanz und den Zweck digitaler Informationen beurteilen; eigene Gewohnheiten der Mediennutzung wahrnehmen; eigenes Mediennutzungsverhalten kritisch analysieren; Vor- und Nachteile erkennen; sich selbst, die digitale Identität und Daten schützen; Sicherheitsmaßnahmen ergreifen, Medien sicher und nachhaltig nutzen; mit Rechten an geistigem Eigentum und Lizenzen umgehen und diese Rechte anwenden; digitale Bedürfnisse und Ressourcen ermitteln; fundierte Entscheidungen über die am besten geeigneten digitalen Werkzeuge je nach Zweck oder Bedarf treffen; konzeptionelle Probleme mit digitalen Mitteln lösen; eigene Kompetenzen aktualisieren; ethisches Verständnis von Künstlicher Intelligenz, z. B. tiefgreifende gesellschaftliche Implikationen dieser Technologie für das Zusammenleben von Menschen und alle ihre Lebensbereiche wahrnehmen; verstehen, wie Ideologien in KI-Systemen eingebettet sein und zu diskriminierenden oder verzerrenden Praktiken führen können; interkulturelles Bewusstsein.

Zentrale theoretische Annahmen über Kompetenz

Kompetenz ist generell als Begriff umstritten sowohl in der Medien- als auch in der Kindheitspädagogik. So bestehen etwa Befürchtungen, dass damit ein eindimensionales Verständnis von Bildungsprozessen einhergeht und Kompetenzmodelle zu einer übermäßigen Standardisierung und damit zu Starrheit führen, die eine schnelle Anpassung an den digitalen Wandel behindert. Dies lässt sich jedoch relativieren, da Kompetenzmodelle wie beispielsweise das von Bernd Schorb durchaus Aspekte der Reflexion und Persönlichkeitsbildung umfassen und damit kein eindimensionales Verständnis spiegeln. Der Fokus der vorliegenden Expertise liegt auf dem Begriff digitale Kompetenzen. Diese werden „als ein Bündel von Wissen, Fertigkeiten und Einstellungen verstanden, die zu einem souveränen Leben in einer von Digitalität geprägten Welt befähigen“ (S. 5). Es handelt sich also um erlernbare Fähigkeiten. Digitale Kompetenzen gelten dabei als Querschnittskompetenzen und stellen eine Erweiterung des Begriffs Medienkompetenz dar. Besonders hervorgehoben wird, dass auch informatische Kompetenzen als Teil digitaler Kompetenzen bereits in der Kita vermittelt werden sollten, zum Beispiel mittels alltagstauglicher Ansätze des Computational Thinkings, was teilweise auch ohne digitale Medien umgesetzt werden kann. Insgesamt lassen sich digitale Kompetenzen „als Schrittfolge auf dem Weg zu digitaler Bildung“ verstehen (S. 8). Wichtig ist allerdings, dass digitale Kompetenzen eine Disposition sind, das heißt sie beschreiben nicht die tatsächliche Umsetzung, sondern lediglich Fähigkeiten und Bereitschaften. Mit Blick auf ihre Förderung in Kitas besteht das Ziel darin, bei Kindern eine gute Grundlage für den Kompetenzerwerb zu schaffen. Es existieren zahlreiche Modelle, die digitale Kompetenzen entlang verschiedener Dimensionen definieren. Diese Dimensionen sind jedoch nicht trennscharf, vielmehr gehen sie ineinander über. Insgesamt ergeben sich zwischen den Modellen große Übereinstimmungen. So verweisen beispielsweise beinahe alle Modelle auf Aspekte wie den Zugang zu Informationen sowie Anforderungen, Informationen zu verwalten und zu bewerten. Solche Modelle beziehen sich für gewöhnlich nicht auf eine spezielle Zielgruppe.

Perspektive der Kompetenzträger*innen auf Kompetenz einbezogen?

keine Angabe

Lebenskontexte der Kompetenzträger*innen einbezogen?

In Kitas findet Bildung vorzugsweise selbstgesteuert statt und ist damit stark an den Interessen und Bedürfnissen der Kinder ausgerichtet. Soziale Beziehungen sind für Kompetenzentwicklung in der frühen Bildung essenziell. Daher kommt pädagogischen Fachkräften mit ihren Kompetenzen und Haltungen eine große Bedeutung zu, wenn digitale Kompetenzen von Kindern in der Kita gefördert werden sollen. Eine für die Förderung digitaler Kompetenzen hilfreiche Haltung, besteht aus einer Mischung aus Aufgeschlossenheit und einer kritischen analytischen Perspektive auf digitale Technik. Zudem bedarf es für die Förderung digitaler Kompetenzen einer angemessenen Infrastruktur (etwa einer digitalen Grundausstattung mit Hard- und Software inklusive einer Internetverbindung, pädagogischen Materialien, programmierbaren Spielzeugen sowie Bilderbüchern über digitale Technik und Mediennutzung). Außerdem gilt es sicherzustellen, dass bei technischen Problemen ein IT-Support ansprechbar ist. Auch die Gestaltung des Raumes hat einen wesentlichen Einfluss. Ein einrichtungsspezifisches Digitalkonzept ist eine weitere wichtige Voraussetzung. Eingebettet ist die Arbeit in Kitas zum einen in die Bildungspläne der Länder. Darin bildet das Gestalten ein zentrales Anliegen digitaler Bildung in der Kita. Zum anderen ist sie geprägt durch Kinderrechte und Kinderschutz, die stets garantiert sein müssen (unter anderem Kindeswohl, Berücksichtigung der sich entwickelnden Fähigkeiten der Kinder und das Recht auf Beteiligung).

Herausforderungen der Erfassung von Kompetenz

keine Angabe

Quellenangabe

Knauf, H. (2024). Förderung digitaler Kompetenzen von Kindern in Kindertageseinrichtungen. Empirische Befunde und konzeptionelle Grundlegung. Eine Expertise der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF). Deutsches Jugendinstitut. https://doi.org/10.36189/wiff22024

Sonstige Anmerkungen

Die in der Expertise betrachteten Modelle digitaler Kompetenzen beziehen sich (bis auf eine Ausnahme) nicht auf Kinder in den ersten sechs Lebensjahren, lassen sich jedoch großteils auf junge Kinder übertragen. In einem Modell kommt Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen als Bereich der digitalen Bildung explizit vor.

Zuletzt geändert am 17. Juni 2026.