Künstliche Intelligenz (KI) und kritische Medienbildung – Reflexionen aus kommunikationswissenschaftlicher Perspektive

Kurzbeschreibung

Der Autor beschreibt Künstliche Intelligenz als eine Dimension der digitalen Transformation der Gesellschaft. In diesem Beitrag wird zunächst aufgezeigt, wie in diversen Diskursen (u.a. dem technologischen, ökonomischen, öffentlichenund medienkulturellen Diskurs) Künstliche Intelligenz thematisiert wird und wie sich diese auf den Diskurs zur Medienbildung auswirken. Als besonders bedeutsam betont der Autor die Verarbeitung von digitalen Massendaten und Datenströmen durch KI-Systeme. Algorithmische Entscheidungssysteme, die auf die Auswertung von Daten basieren, weisen sowohl individuelle als auch soziale Auswirkungen auf. Insbesondere beschreibt der Autor, wie durch datengestütze Entscheidungssysteme Diskriminierungsgefahren auftreten können. Anhand des Beispiels des Learning Analytics wird anschließend erläutert, wie unterschiedliche Bildungsprozesse durch Künstliche Intelligenz geprägt werden. Daraus ergeben sich Kompetenzanforderungen, denen Individuen sowie die Gesellschaft ausgesetzt sind. Betont werden dabei kritisch-reflexive Kompetenzen sowie kognitive Kompetenzen. Anschließend werden Herausforderungen für die Medienbildung im Kontext von Künstlicher Intelligenz beschrieben. Diese umfassen die Grenzen der Subjektzentierung, der digitalen Aufklärung sowie der Kompetenzen. Dabei wird für eine ganzheitliche (Medien)bildung plädiert.

Annahmen über die Folgen der Digitalisierung

Der Autor geht davon aus, dass Künstliche Intelligenz zunehmend zu einem selbstverständlichen Teil des alltäglichen Lebens werden wird. Besonderer Bedeutung kommt dabei algorithmischen Entscheidungssystemen zu. Durch Künstliche Intelligenz gewinnen solche Bildungsdimensionen an Relevanz, die das Welt- und Selbstverhältnis der Menschen betrachten. Denn Künstliche Intelligenz wirft verstärkt grundlegende Fragen auf. Dies können auf persönlicher Ebene beispielsweise Fragen nach Identität sein, auf sozialer Ebene etwa nach gesellschaftlichem Zusammenhalt. Es wird betont, dass Systeme Künstlicher Intelligenz allein nicht die Lösung von sozialen Problemen bewirken, sondern dazu ledigleich beitragen können. An die Medienbildung stellt sich die Anforderung, gemeinsam mit der informatischen Bildung Grenzen und Möglichkeiten von Künstlicher Intelligenz realistisch einzuschätzen und dazu beizutragen, Mythen um diese Technologie aufzulösen. Mit Blick auf den Arbeitsmarkt hat die (Teil-)Automatisierung von Berufen und eine damit einhergehende Veränderung der Arbeitswelt (z.B. andere Qualifikationsanforderungen) eine besondere Bedeutung. Im Bildungsdiskurs wird auf Künstliche Intelligenz mit Forderungen nach Lernangeboten zu diesem Thema reagiert. Zudem hält Künstliche Intelligenz Eingang in das Schulwesen, beispielsweise durch Learning Analytics oder in Form eines neuen Bildungsmediums.

Kompetenzanforderungen

Der Autor nennt allgemeine Anforderungen in Bezug auf Künstliche Intelligenz, wie zum Beispiel "allgemeines Hintergrund- und Orientierungswissen über Treiber und Folgen der digitalen Transformation" (S. 10). Die Anforderungen gilt es zielgruppenspezifisch zu konkretisieren.

Kompetenzdimensionen

Instrumentell-qualifikatorische Dimension: Grundlegende Qualifizierungen über technische Funktionsweisen und die Einsatzmöglichkeiten von Künstlicher Intelligenz.

Kognitive Dimension: Wissen um die nahezu unbegrenzte mediale Manipulationstiefe; allgemeines Hintergrund- und Orientierungswissen über die Treiber und Folgen der digitalen Transformation, einschließlich der Kenntnis über die allgegenwärtige Datenerfassung und ihre ökonomischen Verwertungs- und Optimierungsinteressen; statistische, psychologische und psychomatische Grundlagenkenntnisse; Wissen über Verfahren und Anlaufstellen bei Fragen und Problemen zum Datenschutz, zur Qualitätsbewertung, zu Diskriminierungen und zu den Anforderungen einer sich entwickelnden KI- und Medienregulierung im Allgemeinen.

Kritisch-reflexive Dimension: Medienkritik; statistische, psychologische und psychometrische Grundlagenkenntnisse, um algorithmische Entscheidungen und eine menschliche wie maschinelle Bias hinterfragen zu können; relevante Fragen zu den Hintergründen, sozialen Auswirkungen und Risiken des Einsatzes stellen und Antworten zu einer informierten Haltung bündeln können; ethische Mentalität und ethische Reflexionsfähigkeit zur Bedienung und Bewertung sozialer Folgen des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz; Kenntnis über die allgegenwärtige Datenerfassung und ihre ökonomischen Verwertungs- und Optimierungsinteressen.

Zentrale theoretische Annahmen über Kompetenz

Kompetenz ist die Fähigkeit, Probleme zu lösen. Fragen, die durch Künstliche Intelligenz aufgeworfen werden, können durch kompetenzorientierte Zugänge allein nicht beantwortet werden. Vielmehr bedarf es einer "Bildung in einem ganzheitlichen und transformatorischen Sinn für digitale Aufklärung" (s. 1). Bildung ist im Vergleich zu Kompetenz die übergeordnete Ebene.

Perspektive der Kompetenzträger*innen auf Kompetenz einbezogen?

keine Angabe

Lebenskontexte der Kompetenzträger*innen einbezogen?

keine Angabe

Herausforderungen der Erfassung von Kompetenz

keine Angabe

Quellenangabe

Gapski, H. (15.06.2021). Künstliche Intelligenz (KI) und kritische Medienbildung. Digitales Deutschland. https://digid.jff.de/kuenstliche-intelligenz-und-kritische-medienbildung-harald-gapski/

Zuletzt geändert am 31. August 2022.