Mediatisierung und Medienkompetenz – Aufgabenfelder für die politische Bildung

Kurzbeschreibung

Mediatisierung bekommt einen immer wichtigeren Stellenwert in der Gesellschaft, vor allem seitdem Google und Big Data, Virtual Reality und Fake News zum Alltag geworden sind. Groll kritisiert, dass das Stichwort Mediatisierung in den Lehrplänen für politische Bildung kaum oder gar nicht vorhanden ist. Allerdings vermutet er, dass die Situation in außerschulischen Bildungseinrichtungen anders sein könnte, da diese unmittelbar auf die neuesten gesellschaftlichen und politischen Debatten reagieren können. Um dieser Frage nachzugehen, wird die Rolle der Mediatisierung im Politikunterricht sowohl in der Schule als auch in der außerschulischen Bildung thematisiert. Anschließend liefert Groll Vorschläge, die dabei helfen könnten, Mediatisierung in die politische Bildung miteinzubeziehen.

Annahmen über die Folgen der Digitalisierung

Neue Medien führen zur Entstehung neuer Kommunikationsmuster sowohl auf der individuellen als auch auf der gesellschaftlichen Ebene. Somit bewirken sie auch gesellschaftliche Veränderungen. Außerdem muss laut Groll aufgrund der neuen Medien zwische drei Kommunikationsarten differenziert werden: Kommunikation von Menschen mit Menschen, Kommunikation von Menschen mit Maschinen und Kommunikation von Maschinen mit Maschinen.

Kompetenzanforderungen

Identifikation von Beiträgen, die sich mit politischen und/oder gesellschaftlichen Fragen auseinandersetzen; Interpretation solcher Texte, die die Nutzung von unterschiedlichen Medien als Informationsquellen thematisieren.

Kompetenzdimensionen

Instrumentell-qualifikatorische Dimension: Bücher und elektronische Medien, insbesondere Angebote für Kinder im Internet (z. B. Kindersuchmaschinen) für die Informationssuche nutzen.

Kognitive Dimension: die fachbezogene Interpretation von Texten und anderen Medienprodukten aus der politischen Publizistik.

Kreative Dimension: Beiträge zu politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Fragen für Medien realisieren, vom Leserbrief über die Website bis zu komplexeren Medienprodukten.

Kritisch-reflexive Dimension: die Bedeutung von Medienkommunikation für die politische Öffentlichkeit (z. B. mediale Inszenierung von Politik, Agenda-Setting, Meinungsbildung, Skandalisierung) rekonstruieren können; kritischer Umgang mit Massenmedien; Analyse von politischen Problemen und Sachverhalten.

Zentrale theoretische Annahmen über Kompetenz

Groll stellt sechs Thesen hinsichtlich der neuen Medien in der politischen Bildung auf. 1) Die Frage nach den Wechselwirkungen von Medien und Gesellschaft muss in der politischen Bildung thematisiert werden. 2) Sensibilisierung für die Gefahr der Überwältigung durch die Nutzung der neuen Kommunikationsmedien. 3) Thematisierung der Chance und Risiken der Mediatisierung soll in der politischen Bildung erfolgen. 4) Politische Bildung soll sich mit dem Verhältnis zwischen Politik und medialer Darstellung auseinandersetzen. 5) Politische Bildung soll zu einer kritischen Haltung gegenüber digitalen Medien und ihre Nutzung beitragen. 6) Um Medienkritik fördern zu können, müssen solche Medien innerhalb und außerhalb der Schule vorhanden sein. Außerdem müssen die Lehrenden in der Lage sein mit diesen Medien umzugehen.

Perspektive der Kompetenzträger*innen auf Kompetenz einbezogen?

keine Angabe

Lebenskontexte der Kompetenzträger*innen einbezogen?

keine Angabe

Herausforderungen der Erfassung von Kompetenz

keine Angabe

Quellenangabe

Goll, T. (2018). Mediatisierung und Medienkompetenz. Aufgabenfelder für die politische Bildung. In: A. Kalina, F. Krotz, M. Rath, & C. Roth-Ebner (Hrsg.), Medienkommunikation und Sozialwelten im Wandel. Mediatisierte Gesellschaften, 12(1), 209 – 224. Nomos Verlag; Tutzing: Akademie für politische Bildung.

Zuletzt geändert am 23. Dezember 2021.