Medienkompetenz

Kurzbeschreibung

Stefan Aufenanger liefert eine Übersicht relevanter Beiträge zum Konstrukt Medienkompetenz aus seiner Perspektive. Dabei bezieht er sowohl klassische Theoretiker zum Thema Medienkompetenz, wie Dieter Baacke, Gerhard Tulodziecki und Norbert Groeben mit ein, wie auch Theoretikier*innen, die ähnliche Begriffe, wie Medienbildung, Kompetenz im Allgemeinen oder digitale Medien beschreiben. Auch bezieht er eine internationale Autorin mit ein und zieht Schlüsse für den weiteren Umgang mit dem Konzept Medienkompetenz.

Annahmen über die Folgen der Digitalisierung

Durch die stärker werdende Mediatisierung unserer Welt werden wesentliche Teile des Berufs- und Alltagslebens unserer Kinder vom Umgang mit Medien geprägt sein. Daher wird besonders von ihnen ein kompetenter Umgang mit (neuen) Medien gefordert.

Kompetenzanforderungen

Kompetenzträger*innen gelten dann als kompetent, wenn sie die Fähigkeit besitzen sinnvoll, verantwortlich, nutzerorientiert und kreativ mit (neuen) Medien umzugehen.

Kompetenzdimensionen

Instrumentell-qualifikatorische Dimension: Fertigkeiten im Umgang mit Medien; Medien angemessen bedienen können.

Kognitive Dimension: Wissen um Medien und Mediensysteme; verschiedene Darbietungsformen von Medien analysieren; Medienangebote sinnvoll auswählen und nutzen; aus einem Medienangebot eine sinnvolle Auswahl treffen (Orientierungskompetenz und vielfältige Medien miteinander kombinieren und nutzen können); Medialität und Realität unterscheiden können; Realität und Fiktion unterscheiden können; zwischen Rolle und Person unterscheiden können; medienspezifische Verarbeitungsstrategien entwickeln (ein Printtext muss anders gelesen werden als eine Filmhandlung); in Medien verwendete Symbole und Codierungen entschlüsseln und verstehen; den Umgang mit einem Hypertext als dreidimensionalem Raum beherrschen; Medien und ihre Inhalte analytisch betrachten.

Affektive Dimension: Medien genießen können; angemessen mit der Unterhaltungsfunktion von Medien umgehen können.

Kreative Dimension: sich mit Medien ausdrücken, andere informieren und kreativ sein können; eigene Medien gestalten und verbreiten; Medien produktiv zum Ausdruck eigener Meinungen und Ideen nutzen können; Fähigkeiten, um Medieninhalte zu gestalten.

Soziale Dimension: Medien interaktiv nutzen; Annschlusskommunikation; eigene Rechte um Medien politisch vertreten; soziale Auswirkungen von Medien angemessen thematisieren.

Kritisch-reflexive Dimension: sich kritisch mit Medien und ihren Angeboten auseinandersetzen (Medienunternehmen und deren Produkte problematisieren, das eigene Mediennutzungsverhalten kritisch in den Blick nehmen, diese beiden - zuvor genannten - Fähigkeiten sozialverantwortlich einsetzen); Mediengestaltungen verstehen und bewerten; Medieneinflüsse erkennen und aufarbeiten; Bedingungen der Medienproduktion und -verbreitung durchschauen und beurteilen; Medien (Medieninhalte, Produktion von Medien, soziale Verträglichkeit, Auswirkungen auf Kommunikation, Interaktion und Persönlichkeit) unter ethischen Aspekten (z.B. Menschenrechten) betrachten.

Zentrale theoretische Annahmen über Kompetenz

Stefan Aufenanger beschreibt keine konkreten Fähigkeitsbereiche, sondern nach eigener Aussage Kompetenzbereiche, die (nach Jürgen Habermas) für ein verständigungsorientiertes Handeln in einer medialen Welt nötig sind. Auf der Basis dieses erweiterten Kompetenzbegriffs formuliert er seine sechs Medienkompetenzdimensionen. Weiterhin skizziert Stefan Aufenanger verschiedene Diskurse über angrenzende Konstrukte wie "Medienbildung", "Kompetenz" und "digital". Dabei erläutert Stefan Aufenanger Medienbildung nach Benjamin Jörissen und Winfried Marotzki (2009) als kritisch-partizipative Selbst- und Weltvermittlung aus Sicht der Kompetenzträger*innen in einer von Medien durchzogenen Welt, Kompetenz als entweder eng gefasste Fähigkeiten für bestimmte Situationen nach Franz Weinert (1999) oder als weiter gefassten Begriff, inklusive Identitätssuche und Orientierung nach Heidi Schelhowe und Kollegen (2009) und digital nach Döbeli Honegger (2016) als all das, was in Computersystemen auf der Basis des binären Codes von 0 und 1 erstellt wird. Des Weiteren behandelt Stefan Aufenanger noch internationale Einflüsse und nennt dabei hauptsächlich das seiner Auffassung nach breiter gefasste Konzept der media literacy nach Renee Hobbs (1997), da es sich allgemein auf Kommunikation in verschiedenen Formen bezieht. Abschließend verweist er auf das Modell digitaler Kompetenzen von Anusca Ferrari (2012). Stefan Aufenanger favorisiert in den Folgerungen seiner Erörterungen einen Kompetenzbegriff, der konkrete Aufgabenbereiche definiert und wirft den meisten Modellen in diesem Themenfeld vor, ihren Kompetenzbegriff kaum theoretisch zu fundieren.

Perspektive der Kompetenzträger*innen auf Kompetenz einbezogen?

keine Angabe

Lebenskontexte der Kompetenzträger*innen einbezogen?

keine Angabe

Herausforderungen der Erfassung von Kompetenz

keine Angabe

Quellenangabe

Aufenanger, S. (2018). Medienkompetenz. In O.-A. Burow, & S. Bornemann (Hrsg.), Das große Handbuch Unterricht & Erziehung in der Schule: Handlungsfeld Unterricht und Erziehung (S. 596–614). Wolters Kluwer.

Zuletzt geändert am 31. August 2022.