Medienkritikfähigkeit messbar machen. Analyse medienbezogener Fähigkeiten bei Eltern von 10- bis 15-Jährigen

Kurzbeschreibung

Die Autorin befasst sich in ihrer Dissertation mit einer Facette von Medienkompetenz, nämlich der Medienkritikfähigkeit. Diese wird bei Eltern quantitativ mit Hilfe von Leistungstests erhoben.

Annahmen über die Folgen der Digitalisierung

Dem kompetenten Umgang mit Medien kommt eine zunehmend wichtigere Rolle zu, da mit der Digitalisierung ein freier und unbeschränkter Zugang zu Informationen einhergeht. Medienkompetenz soll in allen Bildungsbereichen verankert werden. Kompetenzen hängen aber nicht nur von der Förderung in der Schule ab, auch die Familie spielt eine gewichtige Rolle. Heranwachsende erwerben Medienkompetenz v.a. in informellen Settings. Diesem Befund wird in der vorliegenden Studie Rechnung getragen, indem sie die Medienkritikfähigkeit der Eltern analysiert.

Kompetenzanforderungen

Durch einen freien und unbeschränkten Zugang zu einer stetig wachsenden Masse an Informationen wird es wichtiger, dass Kompetenzträger*innen relevante Informationen finden und diese hinsichtlich ihrer Qualität beurteilen können. Es ist die Aufgabe der Eltern, ihren Kindern Medienkompetenz und darunter Medienkritikfähigkeit zu vermitteln.

Kompetenzdimensionen

Instrumentell-qualifikatorische Dimension: Informierende Medieninhalte anhand von Kriterien beurteilen können (z.B. Informationen auf Internetseiten zu einem bestimmten Zweck suchen und auswählen können).

Kognitive Dimension: Unterhaltende und werbende Medieninhalte als solche erkennen (z.B. Unterscheidung von realen und fiktionalen Medieninhalten sowie kommerziellen und nicht kommerziellen Medienangeboten); in Unterhaltungsformaten werbende Elemente und Botschaften erkennen (z.B. Produktplatzierung in einer Serie oder einem Video auf YouTube identifizieren); Gefahren im Internet erkennen (z.B. Spam- oder Spoof-E-Mails als solche erkennen); Verletzungen der Privatsphäre (auch von anderen) erkennen (z.B. Wissen über die Privatsphäre und das Internet als öffentlichen Raum); das Urheberrecht kennen.

Kritisch-reflexive Dimension: Journalistische und informierende Medieninhalte hinsichtlich der repräsentierten Meinungsvielfalt beurteilen können; die Gewichtung von verschiedenen Perspektiven in journalistischen und informierenden Medieninhalten beurteilen können (z.B. erkennen, ob ein Text objektiv oder aus einer bestimmten Perspektive heraus verfasst wurde); journalistische und informierende Medieninhalte danach beurteilen können, ob diese dem Grundsatz der journalistischen Unabhängigkeit genügen; Medieninhalte hinsichtlich ihrer gesellschaftlichen Relevanz einschätzen können (z.B. Unterscheidung zwischen gesellschaftlich relevanten Nachrichten und Boulevardmeldung); journalistische, informierende und unterhaltende Medieninhalte hinsichtlich der Einhaltung des Grundgesetzes beurteilen können (z.B. ob Medieninhalte die Würde eines Menschen verletzen); werbende Medieninhalte hinsichtlich der Einhaltung von rechtlichen Bestimmungen beurteilen können; die Glaubwürdigkeit journalistischer und informierender Medieninhalte anhand von genannten Quellen einschätzen können (z.B. Wissen darüber, dass mit den Quellen einer Nachricht deren Wahrheitsgehalt geprüft werden kann und welche Quellen als seriös eingeschätzt werden können und welche nicht); werbende Inhalte hinsichtlich deren Glaubwürdigkeit beurteilen können; die Absicht bzw. Intention von unterhaltenden Medieninhalten richtig einschätzen können (z.B. Absicht bei Scripted-Reality-Formaten oder Casting-Shows); das Verhalten bei der Nutzung von unterhaltenden Medieninhalten bewusst wahrnehmen und reflektieren; das Urheberrecht einhalten (z.B. bei der Nutzung digitaler Videoangebote); kritische Beachtung der eigenen, gesellschaftlichen und medialen Stellung gegenüber den Medien; mit persönlichen Daten (auch von dritten Personen) bei der Online-Kommunikation sorgsam umgehen; Befähigung zur Reflexion eines eigenen, autonomen Medienhandelns als Alltagspraxis.

Zentrale theoretische Annahmen über Kompetenz

Kompetenzen sind theoretische Konstrukte über Eigenschaften und deren Ausprägungen von Menschen. Sie sind nicht direkt beobachtbar, sondern können nur über Indikatoren erschlossen werden. Kompetenzen sind im Gegensatz zu Persönlichkeitsmerkmalen veränderbar. Sie sind in einen situativen Kontext eingebunden und beinhalten sowohl bei Erwerb als auch in der Anwendung eine motivationale Komponente.

Perspektive der Kompetenzträger*innen auf Kompetenz einbezogen?

keine Angabe

Lebenskontexte der Kompetenzträger*innen einbezogen?

In der Studie wurden Kontextfaktoren berücksichtigt, wie der Familienstand, die Anzahl der Kinder im Haushalt, der Bildungsabschluss, das Haushaltseinkommen, der Migrationshintergrund sowie die tägliche Mediennutzung. Auch die Art der Medienerziehung war Gegenstand der Studie.

Herausforderungen der Erfassung von Kompetenz

Die Autorin unterscheidet drei Möglichkeiten zur Messung von Kompetenz: Selbsteinschätzungen, (Leistungs-)Tests und Wissensfragen. Nachteilig an Selbsteinschätzungen ist, dass damit nicht die eigentliche Kompetenz, sondern vielmehr individuelle Überzeugungen gemessen werden. Auch Wissensfragen messen nur bewusste Kenntnisse. Hingegen wird mit Leistungstests ein Komplex aus Wissen, Können und motivationalen Aspekten abgebildet. Außerdem beschreibt die Autorin, dass eine Schwierigkeit bei der Erfassung von Medienkompetenz darin besteht, dass die verschiedenen Unterdimensionen von Medienkompetenz, wie sie z.B. Baacke beschreibt, miteinander zusammenhängen.

Quellenangabe

Rott, K. J. (2020). Medienkritikfähigkeit messbar machen: Analyse medienbezogener Fähigkeiten bei Eltern von 10- bis 15-Jährigen. wbv.

Zuletzt geändert am 3. July 2021.