Medienkritikfähigkeit messbar machen. Analyse medienbezogener Fähigkeiten bei Eltern von 10- bis 15-Jährigen

Kurzbeschreibung

Die Autorin befasst sich in ihrer Dissertation mit einer Facette von Medienkompetenz, nämlich der Medienkritikfähigkeit. Diese wird bei Eltern quantitativ mit Hilfe von Leistungstests erhoben.

Annahmen über die Folgen der Digitalisierung

Dem kompetenten Umgang mit Medien kommt eine zunehmend wichtigere Rolle zu, da mit der Digitalisierung ein freier und unbeschränkter Zugang zu Informationen einhergeht. Medienkompetenz soll in allen Bildungsbereichen verankert werden. Kompetenzen hängen aber nicht nur von der Förderung in der Schule ab, auch die Familie spielt eine gewichtige Rolle. Heranwachsende erwerben Medienkompetenz v.a. in informellen Settings. Diesem Befund wird in der vorliegenden Studie Rechnung getragen, indem sie die Medienkritikfähigkeit der Eltern analysiert.

Kompetenzanforderungen

Durch einen freien und unbeschränkten Zugang zu einer stetig wachsenden Masse an Informationen wird es wichtiger, dass Kompetenzträger*innen relevante Informationen finden und diese hinsichtlich ihrer Qualität beurteilen können. Es ist die Aufgabe der Eltern, ihren Kindern Medienkompetenz und darunter Medienkritikfähigkeit zu vermitteln.

Kompetenzdimensionen

Instrumentell-qualifikatorische Dimension: Informationen zu einem bestimmten Zweck suchen und auswählen.

Kognitive Dimension: Erkennen von Inszenierung.

Kritisch-reflexive Dimension: Beurteilung der Glaubwürdigkeit von medialen Inhalten; Kritische Beachtung der eigenen, gesellschaftlichen und medialen Stellung gegenüber den Medien; Beurteilung der Meinungsvielfalt, Ausgewogenheit, journalistischen Unabhängigkeit, Relevanz, Achtung der Menschenwürde, Quellentransparenz; sorgsamer Umgang mit persönlichen Daten; Befähigung zur Reflexion eines eigenen, autonomen Medienhandelns als Alltagspraxis.

Zentrale theoretische Annahmen über Kompetenz

Kompetenzen sind theoretische Konstrukte über Eigenschaften und deren Ausprägungen von Menschen. Sie sind nicht direkt beobachtbar, sondern können nur über Indikatoren erschlossen werden. Kompetenzen sind im Gegensatz zu Persönlichkeitsmerkmalen veränderbar. Sie sind in einen situativen Kontext eingebunden und beinhalten sowohl bei Erwerb als auch in der Anwendung eine motivationale Komponente.

Perspektive der Kompetenzträger*innen auf Kompetenz einbezogen?

keine Angabe

Lebenskontexte der Kompetenzträger*innen einbezogen?

In der Studie wurden Kontextfaktoren berücksichtigt, wie der Familienstand, die Anzahl der Kinder im Haushalt, der Bildungsabschluss, das Haushaltseinkommen, der Migrationshintergrund sowie die tägliche Mediennutzung. Auch die Art der Medienerziehung war Gegenstand der Studie.

Herausforderungen der Erfassung von Kompetenz

Die Autorin unterscheidet drei Möglichkeiten zur Messung von Kompetenz: Selbsteinschätzungen, (Leistungs-)Tests und Wissensfragen. Nachteilig an Selbsteinschätzungen ist, dass damit nicht die eigentliche Kompetenz, sondern vielmehr individuelle Überzeugungen gemessen werden. Auch Wissensfragen messen nur bewusste Kenntnisse. Hingegen wird mit Leistungstests ein Komplex aus Wissen, Können und motivationalen Aspekten abgebildet. Außerdem beschreibt die Autorin, dass eine Schwierigkeit bei der Erfassung von Medienkompetenz darin besteht, dass die verschiedenen Unterdimensionen von Medienkompetenz, wie sie z.B. Baacke beschreibt, miteinander zusammenhängen.

Zentrale empirische Befunde über Kompetenz

Alter, Bildung und Haushaltseinkommen haben Einfluss auf die Medienkritikfähigkeit der befragten Eltern. Medienbezogene Kompetenzen stehen auch in einem Zusammenhang mit dem medienerzieherischen Handeln (Monitoring vs. aktive Mediation). Es zeigt sich, dass Eltern eine wichtige Rolle bei der Vermittlung von Medienkompetenz an ihre Kinder spielen.

Quellenangabe

Rott, K. J. (2020) Medienkritikfähigkeit messbar machen: Analyse medienbezogener Fähigkeiten bei Eltern von 10- bis 15-Jährigen. Bielefeld: wbv.

Zuletzt geändert am 17. März 2021.