Medienpsychologie

Kurzbeschreibung

Trepte und Reinecke betrachten Medienkompetenz in ihrem Beitrag aus medienpsychologischer Perspektive. Sie beschäftigen sich mit der Frage nach den Dimensionen und Voraussetzungen für eine kompetente Mediennutzung und der Operationalisierung für die Erfassung von Medienkompetenz. Dafür erfolgt eine allgemeine Einführung und Definition des Begriffs der Medienkompetenz. Anschließend werden Kompetenzmodelle von Baacke (1999), Groeben (2004) und dem der Media-Literacy mit ihren Dimensionen vorgestellt. In der anschließenden Betrachtung vorhandener Instrumente zur Messung von Medienkompetenz wird herausgearbeitet, dass die dort zu findenden Dimensionen sich wenig an den existierenden Kompetenzmodellen orientieren. Das darauf folgende Anwendungsbeispiel bezieht sich auf die Medienkompetenz älterer Menschen im Umgang mit digitalen Medien. Trepte und Reinecke verweisen unter anderem auf eine Studie, in der Tätigkeiten älterer Menschen gefördert werden sollen, die den ersten beiden Dimensionen des Bielefelder Kompetenzmodells entsprechen.

Annahmen über die Folgen der Digitalisierung

keine Angabe

Kompetenzanforderungen

Kritisches, selbstbestimmtes und verantwortliches Nutzen, Verstehen, Bewerten und Gestalten von Medien.

Kompetenzdimensionen

Instrumentell-qualifikatorische Dimension: auf Medienbotschaften adäquat reagieren können; Fertigkeit, mit Medien umzugehen (Computer- und Internetkenntnisse); technologisch-instrumentelle Fertigkeiten im Medienumgang; Aufrufen relevanter Informationen; Organisation und Aufbereitung der Informationen für die zukünftige Verwendung.

Kognitive Dimension: Medieninhalte enkodieren (sinnvoll in Denk- und Gedächtnisstrukturen integrieren); Wissen über das Mediensystem, verschiedene Programmformate, Finanzierung der Medien und die Struktur des dualen Rundfunksystems; Fähigkeit, zwischen Fiktion und Realität unterschieden zu können; Wissen über künstlerische, rechtliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen; Medien bewusst und zielführend auswählen und kombinieren; Entwicklung eines neuen Verständnis (Verarbeitung von medialen Informationen).

Affektive Dimension: medienbezogene Genussfähigkeit (z.B. Identifikation ohne Selbstaufgabe, Grenzziehung zwischen Genuss und Sucht).

Kreative Dimension: interaktive Medienangebote nutzen können; vorhandene Medienangebote erstellen, verändern und weiterentwickeln; eigene Mediengestaltung.

Soziale Dimension: Fähigkeit, Medien für gesellschaftliche Belange zu mobilisieren; Austausch über gewonnene Informationen.

Kritisch-reflexive Dimension: Erfassen, Verstehen und ethische Reflektion problematischer Prozesse des Mediensystems; medienbezogene Kritikfähigkeit; Beurteilung von Informationen; Treffen von kritischen, reflektierten, strategischen ICT-Entscheidungen.

Zentrale theoretische Annahmen über Kompetenz

Medienkompetenz wird als medienpsychologisches Forschungsfeld und medienpsychologisches Konstrukt betrachtet. In der eigenen Definition von Medienkompetenz wird diese als Kontinuum verstanden und „beinhaltet die Fähigkeit, Medien kritisch, selbstbestimmt und verantwortlich nutzen, verstehen, bewerten und gestalten zu können“ (S.205). Der Begriff der Medienkompetenz habe laut den Autor*innen immer auch eine normative Komponente. Eine exakte wissenschaftliche Auffassung von Medienkompetenz müsse differenzierter und kleinteiliger ausfallen, was aber für die Diskussion in der Öffentlichkeit wenig sinnvoll wäre.

Perspektive der Kompetenzträger*innen auf Kompetenz einbezogen?

keine Angabe

Lebenskontexte der Kompetenzträger*innen einbezogen?

keine Angabe

Herausforderungen der Erfassung von Kompetenz

Um Medienkompetenz messen zu können, bedarf es einer verlässlichen Skala. Vorliegende Instrumente zur Messung von Medienkompetenz orientieren sich zumeist jedoch nicht an gängigen Modellen von Medienkompetenz. Die Theorie und die eigentlichen Messungen gehen demnach auseinander. Dies liegt daran, dass Instrumente für die praktische Anwendung entwickelt werden und sich somit an Aspekten orientieren, die für bestimmte Studien relevant sind oder für die Zielvorgaben von Institutionen.

Quellenangabe

Trepte, S., & Reinecke L. (2013). Medienpsychologie. Verlag W. Kohlhammer.

Sonstige Anmerkungen

Im Beitrag vorgestellte Instrumente und Skalen zur Erfassung von Medienkompetenz: Inventar zur Computerbildung (INCOBI), (Richter et al. 2001, Richter et al. 2010); Information Literacy Test (ILT), (Cameron et al, 2007, Wise et al. 2009); Information Communication Technology Literacy (ICT Literacy), (Ainley et al. 2007)

Zuletzt geändert am 31. August 2022.