Zielgruppe Kinder und Jugendliche – Expertise durch das JFF (Februar 2020)

Kurzbeschreibung

Die Autor*innen befassen sich in vorliegender Expertise mit dem Thema Medienkompetenz bei Kindern und Jugendlichen. Dabei betrachten sie, was die Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen ausmacht und wie sich mit dieser Kompetenz bislang wissenschaftlich beschäftigt wurde. Medienkompetenz wird in Anbetracht fortschreitender Digitalisierung, in Abgrenzung zu Informationskompetenz und als individuelle bzw. gesamtgesellschaftliche Verantwortung genauer betrachtet. Sozialisierungs- und Vermittlungskontexte sowie Anforderungen und Veraussetzungen der verschiedenen Altersgruppen werden aufgegriffen.

Annahmen über die Folgen der Digitalisierung

Durch die Digitalisierung hat sich der Zugang zu und der Umgang mit digitalen Medien deutlich verändert. Dies wirft wiederum die herausfordernde Frage auf, über welche Kompetenzen Kinder und Jugendliche für einen souveränen Umgang mit digitalen Medien verfügen müssen. Zudem hat sich die in Medienkompetenzmodellen deutlich werdende Subjektorientierung im Zuge der Digitalisierung verstärkt. Mit Blick auf Kinder und Jugendliche werden Folgen der Digitalisierung häufig im Kontext politischer Bildung diskutiert.

Kompetenzanforderungen

Kompetenzanforderungen werden in unterschiedlichen Kontexten, wie beispielsweise im Bildungssystem, von Eltern, in wissenschaftlichen Bereichen oder in der öffentlichen Debatte geäußert. Bei Kindern und Jugendlichen werden Kompetenzanforderungen zudem stark altersbezogen definiert. So werden etwa in der frühen Kindheit die Voraussetzungen für den Medienkompetenzerwerb geschaffen, indem sich beispielsweise motorische und kommunikative Fähigkeiten entwickeln. Im Grundschulalter liegt der Fokus vor allem auf technischen und kognitiven Fähigkeiten. Im Jugendalter weitet sich die Online-Nutzung aus, wodurch Themen, wie zum Beispiel Datenschutz, soziale Fähigkeiten und ein gesunder Umgang zunehmend an Bedeutung gewinnen. Kompetenzen werden in dieser Phase allerdings vor allem tätigkeitsbezogen definiert und können sich dementsprechend unterscheiden. Über die gesamte Kindheit und Jugendzeit kommt darüber hinaus kreativen Fähigkeiten eine wichtige Bedeutung zu.

Kompetenzdimensionen

Instrumentell-qualifikatorische Dimension: zielgerichtete und problemorientierte Nutzung.

Kognitive Dimension: kognitive Kompetenzen; verschiedene Medien als Informationsquellen nutzen; die Bedeutung von Medienkompetenz für die politische Öffentlichkeit rekonstruieren können.

Kreative Dimension: Gestaltung von/mit digitalen Medien und Systemen.

Soziale Dimension: sozialverantwortliche Kompetenzanforderungen.

Kritisch-reflexive Dimension: kritische Auseinandersetzung mit digitalen Medien; Datenschutz; Schutz vor nicht kindgerechten Inhalten.

Zentrale theoretische Annahmen über Kompetenz

Kompetenzen können nicht ohne Berücksichtigung persönlicher Bedingungen, tätigkeitsbezogener Anforderungen sowie Kontexten und Ressourcen von Kompetenzträger*innen betrachtet werden. Eine wichtige Prämisse für viele Medienkompetenzmodelle ist ein aktiv handelndes Subjekt. Kompetenz wird somit an dem*der einzelnen Kompetenzträger*in festgemacht. Der Begriff der Medienkompetenz wird jedoch nicht einseitig auf kognitive Fähigkeiten reduziert. Es gilt auch, Medienkompetenz aus einer Prozessperspektive zu sehen, nicht nur, da sich entwicklungsbedingt sondern auch beispielsweise durch die Digitalisierung Veränderungen im Kinder- und Jugendalter ergeben.

Perspektive der Kompetenzträger*innen auf Kompetenz einbezogen?

Wenn es um die Formulierung von Kompetenzanforderungen geht, werden Kinder und Jugendliche bisher nur selten selbst gefragt. Vielmehr werden Kompetenzanforderungen von anderen Akteur*innen, wie beispielsweise Eltern oder wissenschaftlichen Disziplinen, festgeschrieben.

Lebenskontexte der Kompetenzträger*innen einbezogen?

Für den Medienkompetenzerwerb im Kinder- und Jugendalter sind verschiedene Sozialisationsinstanzen von Bedeutung, so zum Beispiel die Eltern, die eine Vorbildfunktion übernehmen und Bildungseinrichtungen wie Kita und Schule. Mit zunehmendem Alter wird aber auch die Peergroup relevanter. Medienkompetenz wird in dieser Altersgruppe häufig als normatives Konstrukt verstanden, wobei mitunter nicht geprüft wird, ob diese Anforderungen in der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen relevant sind.

Herausforderungen der Erfassung von Kompetenz

Bei der Erforschung von Medienkompetenz stellen sich verschiedene Herausforderungen: Zum einen wird die Frage aufgeworfen, ob sich Medienkompetenz mithilfe quantitativer Verfahren überhaupt angemessen erfassen lässt angesichts des Medienwandels sowie unterschiedlicher Lebensverhältnisse. Zum anderen bergen Selbsteinschätzungen - möchte man die tatsächliche (faktische) Medienkompetenz mit Selbsteinschätzungen abfragen -, das Risiko der Verzerrung, d.h., dass Kinder und Jugendliche ihre Fähigkeiten womöglich besser einschätzen als sie sind.

Quellenangabe

JFF - Institut für Medienpädagogik (2020). Zielgruppe Kinder und Jugendliche - Expertise durch das JFF. https://digid.jff.de/expertise-kinder-und-jugendliche/

Zuletzt geändert am 16. Juli 2024.