11

Lieber Mensch

11

Lieber Mensch

In einer fiktiven Botschaft an uns Menschen stellen sich unsere Emotionen vor und interessieren sich dafür, wie wir mit ihnen umgehen.

Lieber Mensch,

wenn wir uns im Missklang befinden, dann verliert die Welt an Farbe. Wenn wir einen guten Draht zu Dir haben, geben wir Dir Orientierung. Denn wir sind ganz nah dran an Deinen Wünschen und Bedürfnissen. Auch wenn Dir diese noch gar nicht bewusst sind. Wir sind Deine Fühler, Deine Sensoren. Kaum vorzustellen, wie es ohne uns wäre. Wer wir sind? Wir stellen uns kurz vor:

Ich fang mal schnell an. Ich befürchte, die anderen lassen mich sonst nicht dran. Ich bin die Angst. Ich kann Dich vor Schäden und Verletzungen bewahren. Ich bin da, wenn Du mehr Sicherheit brauchst.

Endlich! Warum war ich nicht als Erster dran!? Ich bin der Ärger. Und wenn’s heftig wird, nennt man mich auch Wut. Ich bin da, wenn Du etwas ungerecht findest, und sorge für die nötige Energie, Gerechtigkeit wiederherzustellen.

Uhhh! Vorsicht, hier riecht es irgendwie komisch, oder? Ich bin der Ekel. Ich kann dafür sorgen, dass Du nicht krank wirst. Wie die Angst kann ich dich schützen. Aber ich habe einen noch viel besseren Draht zum Geruchs- und Geschmackssinn als sie.

Juhu! Ich bin die Freude. Ich bin die Schönste. Alle wollen, dass es mich gibt. Mit mir geht alles leichter. Wenn ich da bin, merkst Du, dass es Dir gut geht. Und ich bleibe auch, wenn Du mich mit anderen teilst. Denn: Die Freude, die Du anderen schenkst, kommt auch immer wieder zurück zu Dir.

Keiner will mich. Ich bin die Traurigkeit. Schade, dass ich jetzt erst drankomme. Wenn ich da bin, dann hast Du vielleicht etwas verloren, was Dir lieb ist, oder Dir ist etwas anderes Schlimmes passiert. Ich kann dafür sorgen, dass Du Dir das nimmst, was Du dann brauchst, um damit umzugehen: Ruhe, Zeit oder Unterstützung von anderen Menschen.

Lieber Mensch, Du siehst, wir sind sehr unterschiedlich und uns noch dazu nicht immer einig. Ganz normal, würden wir sagen. Wir kennen das nicht anders. Manchmal hast du es schwer mit uns. Woher kommen wir? Warum sind wir manchmal so präsent? Wieso manchmal gleichzeitig? Was wollen wir Dir sagen? Wir wissen es selbst nicht. Wir sind Deine Fühler, nach innen und außen. Die Frage, was Du aus uns machst und wie Du mit uns umgehst, wird Dich Dein Leben lang begleiten.

Schreib uns, wie Du das gerade machst, mit uns im Einklang zu sein.

Wir freuen uns auf eine Antwort von Dir!

Deine Emotionen

Zitation

Schober, M. 2022: Lieber Mensch. Im Rahmen des Projektes Digitales Deutschland. Online verfügbar: https://digid.jff.de/magazin/emotionen/lieber-mensch-emotionen/

ENDE
Kompetent
EDITORIAL

Emotionen

Das Editorial leitet Sie durch die dritte Magazinausgabe zum Thema Emotionen.

01

Fünf Fragen aus dem Netz

Was interessiert Internetnutzer*innen, wenn es um Emotionen geht? Wir liefern Antworten auf häufig gestellte Fragen.

02

Affektiv kompetent

Emotionen, Affekte und Medienkompetenz – wie gehört das zusammen? Mit Blick auf das Rahmenkonzept von „Digitales Deutschland“ gehen Laura Cousseran und Dr. Niels Brüggen der Frage nach, welche Fähigkeiten als Teil der affektiven Kompetenzdimension verstanden werden können.

03

Online-Kommentare zu KI – zwischen Angst und Hoffnung

Instagram, Facebook, YouTube, Spiegel-Online: Dr. Laura Sūna und Prof. Dr. Dagmar Hoffmann stellen vor, welche Emotionen sich bezüglich KI in Online-Kommentaren zeigen.

04

Spielen, Schwelgen, Lieben und Scherzen

Prof. Dr. Anja Hartung-Griemberg beschreibt Facetten des emotionalen Umgangs Älterer mit digitalen Medien.

05

„Ziemlich gruselig“

Wie Emotionen von Jugendlichen zu algorithmischen Empfehlungssystemen in der Bildungsarbeit genutzt werden können, erklären Maximilian Schober und Sandrine Tausche in diesem Beitrag.

06

Wissen, Gefühle und ihr Einfluss auf soziales Handeln

Die Soziologin Dr. Elgen Sauerborn legt dar, wie unser Wissen und unsere Gefühle sich gegenseitig und unser soziales Handeln in digitalen Räumen beeinflussen.

07

Der Umgang mit Emotionen im digitalen Zeitalter

Eigene Emotionen erkennen und regulieren: Welche Möglichkeiten und Grenzen digitale Medien mit sich bringen, erklärt uns Prof. Dr. Sven Barnow, Leitung der Klinischen Psychologie und Psychotherapie an der Universität Heidelberg.

08

„Er kann sich nicht verlieben, er ist ein Roboter, ein Algorithmus“

Die Geschichte einer 40-jährigen Frau, die sich in einen Roboter verliebt: ein Interview mit Fernsehproduzentin Katja Herzog und der Drehbuchautorin Eva Lia Reinegger.

09

Hassen, mitfühlen, mobilisieren

Prof. Dr. Margreth Lünenborg, Professorin für Kommunikationswissenschaft mit Schwerpunkt Journalistik, wirft einen Blick auf die affektive Kommunikation mit digitalen Medien.

10

Begriffe2go

Unser Team liefert verständliche Erklärungen zu Begriffen, die im Zusammenhang mit Emotionen häufig auftauchen.

11

Lieber Mensch

In einer fiktiven Botschaft an uns Menschen stellen sich unsere Emotionen vor und interessieren sich dafür, wie wir mit ihnen umgehen.

Feedback